AERZTE Steiermark | März 2018
COVER 10 ÆRZTE Steiermark || 03|2018 sozusagen der erste Schritt in der Veränderung. Einer der Gründe für Spitalsverbünde ist die höhere Wirtschaftlich- keit, zumindest steht das so im KAGes-Geschäftsbericht. Worin besteht denn diese hö- here Wirtschaftlichkeit? Dörflinger: Zuerst muss man die Frage des Angebots an- schauen. Das Angebot mit der großen Spezialisierung ist nicht überall möglich. Des- wegen muss man versuchen, so wie das in Judenburg- Knittelfeld der Fall war, ein konservatives und ein chirur- gisches Haus zu machen. Das war anfangs sehr umstritten, ich glaube aber, dass das jetzt nicht mehr diskutiert wird. Dass man eine Stroke Unit da- zubekommen hat, dass man eine Unfallchirurgie dazube- kommen hat, ist mittlerweile in der Region akzeptiert, weil man merkt, dass die Qualität da ist. Die Wirtschaftlichkeit besteht darin, dass man ge- sind die überlasteten Ambu- lanzen und Notfallaufnah- men. Ein erheblicher Teil der Menschen, die sich dort ver- sorgen lassen, sind laut Stati- stik nicht am richtigen Platz. Wie soll man dem beikom- men? Kann man den Men- schen beibringen, nicht auf die Ambulanzen zu gehen? Muss man die Strukturen ver- ändern, oder soll man einfach die Kapazitäten erhöhen? Dörflinger: Ganz offen: Ich habe die Konzeption der Pri- märversorgungszentren als riesengroße Chance gesehen, einen Lenkungseffekt zu er- zeugen, wenn – und das sage ich im Wissen, dass das wahr- scheinlich nicht jedem Spaß macht – man jene Primärver- sorgungszentren die an einem Standort gemacht werden, wo es ein Spital gibt, direkt in das Spital integriert hätte. Wenn das Primärversor- gungszentrum von nieder- wisse Hilfsdienste etc. bün- deln kann und es dadurch zu einer Senkung des Aufwands kommt. Eine Verbundlösung hat auch den Vorteil, dass man gewisse Strukturen er- halten kann. Dadurch findet sie politische Akzeptanz. Eines ist mir wichtig: Man muss auch die Kosten berück- sichtigen, die entstehen, wenn man zwei, drei, vier Kranken- häuser schließt und ein neues baut: Bis zur Inbetriebnahme des neuen Krankenhauses muss man die bestehenden Häuser in Schuss halten. Es wäre weder gesundheitspoli- tisch noch sanitätsbehördlich vertretbar, bereits zu dem Zeitpunkt, wo man weiß, dass ein neues Haus gebaut wird, die anderen verfallen zu las- sen. Das muss man in die Kosten einbeziehen. AERZTE Steiermark: Ein Thema, das viele beschäftigt, gelassenen Ärzten geführt in den Räumlichkeiten des Spi- tals agiert, kann der Patient vom fachlich qualifizierten niedergelassenen Arzt entwe- der direkt versorgt oder im Zweifel an die direkt daneben liegende Krankenanstalt wei- tergeleitet werden. Die Frage ist, wie ich ei- nen Lenkungseffekt zustande bringe: Wenn man ein Pri- märversorgungszentrum zum Beispiel 500 Meter neben dem Landeskrankenhaus errichtet, werden Patienten – und ich sehe es immer aus Sicht des Patienten –, die in Sorge sind, lieber ins Krankenhaus gehen, weil sie das Gefühl haben, dort alles zu bekommen. Zweiter Punkt: Wie schaut es mit Haftungen aus, wenn die Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter in der Spitalsambu- lanz sagen, lieber Patient, Sie gehören nicht hierher, gehen „Ich würde eine stärkere Kooperation zwischen niedergelassenen Ärzten und Spitälern als Möglichkeit sehen.“
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