AERZTE Steiermark | März 2018

14 ÆRZTE Steiermark  || 03|2018 SERIE Arzt im besonderen Dienst nen Nachkommen möchte er mehr hinterlassen. Als er nach dem Tod seiner Frau auf jene Briefe gestoßen war, die er ihr in den jungen Jahren der Ehe geschrieben hatte, reifte in ihm die Idee zu einem au- tobiografischen Werk. Beide Ehepartner haben den kom- pletten Briefwechsel auf be- wahrt, eine gute Basis für sein Vorhaben. Außerdem verfügt Sauer über eine große Scha- tulle mit Briefen von ehema- ligen Patientinnen und Pati- enten und deren Eltern sowie über umfangreiche Korre- spondenzen mit Koryphäen der Kinderchirurgie. Über acht Jahre zog sich der Entstehungsprozess der „Kin- derschicksale“. Die ersten Teile verfasste er handschrift- lich und diktierte sie seiner Partnerin Lisa. „Das letzte Zehntel hat er dann selbst in den Computer getippt“, erzählt sie. Vieles davon am Niederalpl, wohin der Asth- matiker Sauer regelmäßig im Winter vor dem Grazer Fein- staub flieht. In die Ruhe einer ehemaligen Holzfällerhütte, die seiner Familie jahrelang als Feriendomizil gedient hat. Vom Skilift geholt Heute ruft ihn auch niemand mehr vom Niederalpl zurück – was in seinen aktiven Zeiten als Vorstand der Grazer Kin- derchirurgie durchaus vorge- U. JUNGMEIER-SCHOLZ Selbst im 90. Lebensjahr sprüht Hugo Sauer noch vor Energie: Versinkt sein Win- terdomizil am Niederalpl im Schnee, wirft er eigenhändig die Schneefräse an. Danach empfängt er Freunde oder widmet sich seiner Lektüre. Die Liebe zur Literatur pflegt der emeritierte Professor für Kinderchirurgie, der Stefan Zweigs Autobiografie „Die Welt von gestern“ als sein Lebensbuch bezeichnet, auch in aktiver Form: Erst kürz- lich erschien sein autobiogra- fisches Werk „Kinderschick- sale“ im Leykam-Verlag. Damit reiht sich Sauer, der a u c h d e n V e r e i n kommen ist. „Anfangs hatten wir noch kein Telefon. Wenn ich in der Klinik gebraucht wurde, ist die Gendarmerie Mürzsteg ausgerückt und hat mich sogar vom Skilift geholt.“ Dass Sauer Kinderchirurg wurde, hat sich eher per Zu- fall ergeben. Aufgrund seines labilen Gesundheitszustands in der Kindheit – bis sein Asthma diagnostiziert wurde – hatte er ständig mit Ärzten zu tun. „Die haben mir wohl imponiert“, meint er heute dazu. Hugo wollte Medizin studieren, auch wenn ihm die Sparte anfangs noch un- klar war. „Im zweiten oder dritten Semester bin ich mit meinem Freund Rudi Stauber im Stadtpark gesessen und wir haben über die Zukunft geredet. Er wollte unbedingt Chirurg werden, da habe ich mir gedacht, das kann ich mir auch vorstellen.“ Seine Lauf- bahn führte ihn von Graz über Linz, die Heimat seiner Frau, mit der er vier Kinder hat, nach Innsbruck, Bremen und schließlich zurück nach Graz. In Linz bei Professor Ro- senauer hatte Sauer gefäßchi- rurgische Expertise erworben, aber als er nach dessen Pen- sionierung nach Innsbruck wechselte, war dieser Bereich dort schon abgedeckt. Nach wenigen Monaten Ausbildung in Innsbruck wurde an der Abteilung jemand gesucht, der sein Hauptaugenmerk auf die chirurgische Behandlung von Kindern richten wollte. „Der Oberarzt kam in den OP und hat gesagt: ,Hört´s, „Große schützen Kleine“ zur Unfallverhütung gegründet hat, in die Reihe bibliophiler Chirurgen wie René Leriche und Rudolf Nissen ein. Auf die Frage, ob Leriche ihm als Vorbild gedient habe, antwor- tet Sauer ohne Zögern: „Das trifft absolut zu.“ Der 1955 verstorbene Leriche hat aber nicht nur Aufzeichnungen über sein Leben hinterlassen, sondern auch eine „Philo- sophie der Chirurgie“, eine weitere Inspirationsquelle für Sauer: „Hat man einmal an- gefangen zu schreiben, dann juckt es einen, weiterzuschrei- ben. Ich würde gerne eine Philosophie der Kinderchi- rurgie schreiben.“ Bedürfnis nach Bilanz Aber zurück zu seinem Erst- l i ngswe rk : „Ich hatte das Be- dürfnis, Bi la nz zu zie- h e n . “ Ü b e r die ei- genen V o r - f a h - r e n w e i ß S a u e r nicht allzu v iel; sei- Kinder sind sein Schicksal Professor Hugo Sauer, Doyen der steirischen Kinderchirurgie, hat seine Biografie „Kinderschicksale“ verfasst und würde gerne noch eine „Philosophie der Kinderchirurgie“ schreiben. Sein Vorbild: Chirurg und Schriftsteller René Leriche. Foto: Furgler Der emeritierte Kinderchirurg Hugo Sauer ist zum ambitionierten Autor geworden.

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