AERZTE Steiermark | März 2018
ÆRZTE Steiermark || 03|2018 15 SERIE Arzt im besonderen Dienst Burschen – einer von euch muss Kinderchirurg werden. Entweder meldet sich jemand freiwillig oder ich bestimme einen.´“ Sauer deponierte sei- nen diesbezüglichen Wunsch beim zuständigen Professor Huber, der ihn als Neuling der Abteilung zunächst abblitzen ließ. Doch Sauer blieb hartnä- ckig und kam wieder, diesmal mit einer vorbereiteten Publi- kation. „Damit war das Eis gebrochen und ich durfte zum Lernen nach Linz zu Professor Hartl.“ Sauers Familie war nicht mit nach Innsbruck übersiedelt, sondern in Ober österreich geblieben – daher kam ihm die neue Ausbil- dungsstelle doppelt gelegen. Erste österreichische Kinderchirurgie Herausragende kinderchirur- gische Ergebnisse wurden in den 60er-Jahren allerdings in Bremen von Professor Reh- bein erzielt. Und Hugo Sau- er wollte vom Besten lernen. Abermals pilgerte er zu Pro- fessor Huber und holte sich die Erlaubnis dazu. Mit Jah- resbeginn 1966 startete er sei- ne Bremer Lehrjahre, bevor er nach Innsbruck zurückging. Als er schließlich 1975 in sei- ne Heimatstadt Graz berufen wurde, stand am Klinikum gerade die Umwandlung der chirurgisch-orthopädischen Kinderabteilung in die erste kinderchirurgische Klinik Österreichs bevor. „Es haben mittelalterliche Zustände ge- herrscht“, erinnert sich Sauer. „Gleich zu Beginn sind Vertre- ter des Roten Kreuzes bei mir aufgetaucht mit der Bitte, ich möge dafür sorgen, dass Not- fälle auch gleich versorgt wer- den. Und nicht erst, wenn die Ärzte ihr Tischtennis-Match beendet haben.“ Diesen Miss- ständen bereitete Sauer ein Ende. An der neuen Klinik brachte er nicht nur seine chirur- gische Expertise ein, son- dern auch sein menschliches Einfühlungsvermögen. Die Bedürfnisse der Kinder – und Eltern – gingen ihm zu Herzen. Er weitete die Be- suchszeiten drastisch aus und setzte nach einigen Jahren sogar die Mitaufnahme der Mütter „auf dem Klappbett“ durch. Als ihm bewusst wur- de, dass meist nur Ein-Kind- Familien von diesem Angebot profitieren konnten, initiierte er die „Gelben Tanten“: eh- renamtlich tätige Frauen, die einsame Kinder besucht ha- ben. Sie trugen einen gelben Mantel, „weil Psychologen festgestellt haben, dass die Farbe Gelb positiv besetzt ist“. Noch heute wünscht sich Sauer, dass Ärzte, die Kinder behandeln, farbiges Gewand tragen dürfen. Häuser für Wähler Nicht nur die Mäntel der Ärzte beschäftigten ihn, er setzte sich auch dafür ein, dass die kinderchirurgische Klinik ein neues Gewand erhielt. 18 Jahre nach seinem Dienstantritt war der Neubau schließlich bezugsfertig. „Zu- nächst wurde das angedachte Bauprogramm immer wieder schubladisiert. Als mich dann einmal ein Reporter der Klei- nen Zeitung gefragt hat, wa- rum es noch kein modernes Haus für die Kinderchirurgie gebe, habe ich den damaligen Landesrat Klauser zitiert, der gesagt hatte, Krankenhäuser würden für Wähler gebaut und Kinder seien eben keine Wähler.“ Was tags darauf ex- akt so auf dem Titelblatt der Kleinen Zeitung stand und die damalige 3. Landtagsprä- sidentin Waltraud Klasnic zu einem Anruf bei Professor Sauer bewog. Damit kam der Stein – in Form einer Bau- steinaktion für den Neubau – ins Rollen. Als Kinderchirurg war Sau- er mit derartigen kindlichen Missbildungen konfrontiert, dass er sich, wie er rückbli- ckend sagt, nach diesen Er- fahrungen nicht mehr getraut hätte, Kinder zu zeugen. Aber auch scheinbar hoffnungslose Fälle gab er nicht so leicht auf. Eine Patientin, die er in ihrer Kindheit über 15 Jahre als Chirurg begleitet hatte, schickte ihm nach der Lektü- re seiner Autobiografie eine Karte. Sie hatte ihre Lebens- geschichte im Buch wieder- erkannt – und berichtete von dem erfüllten Leben, das sie nun führt. Eines der schöns- ten Erlebnisse für Hugo Sauer. Die wichtigste Botschaft, die er angehenden Kinderchi- rurginnen und -chirurgen mitgeben möchte, ist ein Ap- pell an ihr Verantwortungs- bewusstsein. „Im Bereich der Kinderchirurgie überleben die Patienten ihre Chirurgen oft um viele Jahrzehnte und müssen solange mit dem Er- gebnis der Operationen leben.“ Auch Sauer selbst blickt auf viele erfüllte Jahrzehnte zu- rück – und bereitet sich voller Vorfreude auf seinen 90. Ge- burtstag im Oktober vor. Fotos: beigestellt Karriere mitKAGes Alle Stellen für Ärztinnen/Ärzte und andere Gesundheitsberufe in den steirischen LKH. www1.kages.at/jobs-bildung/unser-angebot KAGes-Jobportal 2018.indd 1 13.12.2017 13:22:33 „Hat man einmal angefangen zu schreiben, dann juckt es einen, weiterzuschreiben. Ich würde gerne eine Philosophie der Kinder- chirurgie schreiben.“ Hugo Sauer
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