AERZTE Steiermark | März 2018
SYMPOSION 18 ÆRZTE Steiermark || 03|2018 die Thematik nicht, ist doch die Datenlage extrem dünn, wie der Salzburger Obmann der angestellten Ärzte und ÄK-Vizepräsident Jörg Hutter feststellte. Er verwies dabei auf die – einzige österrei- chische – Studie zum Thema von Günter Dorfmeister et al. aus den Jahren 2006/07. Sie basiert exklusiv auf Daten des Wiener KAV und erfasst lediglich einen Zeitraum von drei Monaten; Zahlen aus dem niedergelassenen Bereich sind bislang keine verfügbar. Hot Spot Psychiatrie In Dorfmeisters Erhebung zeigt sich ein klarer Trend: mit Abstand am exponier- testen ist das Pflegepersonal. 80 Prozent geben an, im Job bereits Gewalterfahrung ge- macht zu haben – und „nur“ 17 Prozent der Ärztinnen und Ärzte. Hot Spots sind Notaufnahmen sowie psy- chiatrische und geriatrische Einrichtungen. Im interna- tionalen Vergleich liegen die österreichischen Psychiatrien mit 7,6 Aggressionsereignis- sen pro Bett und Jahr im unteren Gefährdungsbereich; in Deutschland soll es je- doch nur 3,7 Ereignisse ge- ben. Dramatischer erscheint die Lage in den Niederlan- den (17,4 Ereignisse) sowie in Großbritannien mit 40,9. Bei derartigen Divergenzen darf vermutet werden, dass Meldesysteme und klinikei- gene Unternehmenskulturen sowie das jeweilige Studi- endesign diese Zahlen eben- so beeinflussen wie etwaige Mentalitätsunterschiede. Der deutsche Ärztekammer-Vize- präsident Kaplan gab auch zu bedenken, dass es sich bei den bisherigen Erhebungen um freiwillige Umfragen handle und systematische Längs- schnittstudien fehlen. Alltag nervt Am ehesten nachvollzieh- bar erscheinen gewalttätige Ausbrüche im Zusammen- hang mit lebensbedrohlichen Diagnosen. Doch derartige Grenzsituationen sind laut Dorfmeister nicht die Haupt- verursacher: Sie lösen nur 11 Prozent der Ausbrüche aus; mehr als doppelt so viele ereignen sich bei den alltäg- lichen unterstützenden Tä- tigkeiten des Pflegepersonals. Gefürchtet sind auch Warte- zeiten (17 Prozent der Über- griffe) sowie unerfüllte Pati- entenwünsche (15 Prozent). Als Maßnahmen zur Deeska- lation nennt Dorfmeister Ge- spräche, ruhiges Wegführen der Randalierenden, eigene Kraftanwendung, das Alar- mieren der Polizei sowie die parenterale Medikation. Er plädiert für Deeskalations- trainings wie sie in den Si- cherheitsberufen üblich sind, aber auch an zahlreichen stei- rischen Krankenhäusern be- reits angeboten werden. Als organisationsbezogene Ansatzpunkte empf iehlt Dorfmeister Notrufsysteme, Sicherheitsdienste, die Doku- mentation der Vorfälle und die klare Kommunikation einer Null-Toleranz-Strategie. Dazu kommen patientenbe- zogene Präventivmaßnahmen und – nicht zu vergessen – der rechtliche Schutz. Kein spezieller Berufsschutz Das österreichische Recht, so der Bereichsleiter für Arbeits- recht in der ÖÄK, Paul Gabri- el, decke bereits verschiedene Aspekte ab, von der Fürsorge- pflicht des Arbeitgebers bis zur Regelung der Notwehr (siehe Erhöhte Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft ortete der steirische Ärztekammerpräsi- dent und ÖÄK-Vizepräsident Herwig Lindner anlässlich des heurigen 10. Internati- onalen ÖÄK-Symposions, diesmal zum Thema Präven- tion gegen Gewalt gegenüber Ärzten und medizinischem Personal. Max Kaplan, Vi- zepräsident der deutschen Bundesärztekammer, zeich- nete auch für Deutschland ein ähnliches Bild. Einfach erscheint die Annäherung an Was Ärzte aushalten müssen. Müssen sie? Das 10. Internationale Symposion der Österreichischen Ärz- tekammer stand ganz im Zeichen der Prävention gegen Gewalt gegenüber Ärzten und medizinischem Personal. » Je besser meine Patienten über ihre Erkrankung Bescheid wissen, umso aktiver nehmen sie an ihrer Behandlung teil! « Schulung für Bluthochdruck-Patienten (0316) 80 35-1855 www.stgkk.at/herzleben
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