AERZTE Steiermark | März 2018

46 ÆRZTE Steiermark  || 03|2018 NIEDERGELASSENE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE Foto: Stelzl Der ganz normale Praxiswahnsinn PRAKTISCH TÄGLICH Von Ulrike Stelzl Der veränderte Hausarzt Veränderung ist gut. Veränderung ist wichtig. Veränderung bedeutet Wachstum, Entwicklung und Verbesserung. Ver- änderung ist alles? Da kann man sich wirklich wundern, warum es immer noch Leute gibt, die sich mit Händen und Füßen gegen Veränderung stemmen und alles beim Alten belassen wollen. Und ein bisschen die Nase rümpfen über solche Menschen. Kürzlich fragte mich eine Kollegin: „Sag einmal, warum gehst Du nicht in ein Gesundheitszentrum?“ „Weil ich das Konzept der PHCs nicht so toll finde.“ „Ja, dann gründe doch selber etwas!“ „Keine Kohle.“ „Die Bank gibt dir doch sicher jeden Kredit. Für die Patienten wäre das ja auch viel besser, da ist dann immer jemand erreichbar.“ „Das ist bei uns im Bezirk sowieso so.“ „Ja, aber alle auf einem Fleck ist ja viel praktischer.“ „Wenn man jung ist und einen Führer- schein hat. Aber die Leute, die ihren Greissler vermissen und es aus eigenen Kräften nicht zum Supermarkt schaffen, sollen meiner Meinung nach wenigstens den Zugang zum Hausarzt behalten.“ Ich habe jetzt fast ein Jahrzehnt geschuftet wie die Blöde, um meinen Kredit in überschaubare Höhen zu drücken. Na- türlich könnte ich damit leben, einen neuen aufzunehmen und weiterhin unter maximalem Druck stehen. Ich habe die Ordi so eingerichtet, dass ich mich darin wohlfühle, sie den Bedürfnissen meines ärztlichen Angebots genau entspricht und sie von der Größe her gerade noch für mich putzbar ist, wenn unsere Perle einmal kränkelt. Warum sollte ich mehr Raum haben wollen? Ich habe genügend Patienten im Quar- tal und habe sie über die Jahre kennen- und schätzen gelernt. Natürlich könnte ich jeden Tag anonyme Gesichter verarzten und die fünffache Menge Leute erreichen. Ich habe mein Team, das ich wirklich mag, wir verstehen uns und die Zu- sammenarbeit läuft optimal. Wir schätzen einander, arbeiten effizient, bieten gute Versorgungsqualität. Natürlich könnte ich mich an neue Mitarbeiter gewöhnen und mich mit ihnen zusammenraufen. Aber warum sollte ich das anstreben? Ich habe meinen Traumjob. Ich bin zufrieden, oft sogar glücklich. Ich will dort sein, wo ich jetzt bin. Kann mir einer erklären, warum ich mich verändern sollte? Dr. Ulrike Stelzl ist niedergelassene Ärztin für Allgemeinmedizin. Mehr von ihr gibt es im Buch „Hallo Doc! 2 „Der ganz normale Praxiswahnsinn“ (erhältlich bei Amazon). Datenschutz: Neue Regeln Ab dem 25. Mai gelten neue Datenschutzre- geln für alle Unternehmen, also auch für Arzt- praxen. Hier eine Übersicht der wesentlichen Neuerungen. Auf www.aekstmk.or.at , der Website der Ärztekammer Stei- ermark, finden Sie unter dem Button „ DSGVO “ immer die aktuellsten Informationen – im Detail. Ärztin/Arzt ist Daten­ verantwortlicher im Sinne des Gesetzes. Jeder Daten­ verantwortliche braucht ein Ver- zeichnis seiner Verarbeitungstä- tigkeiten. Für einige wichtige Punk- te gibt es noch keine endgültige Entscheidung der Behörde. Einzelpra- xen werden voraussichtlich keine Daten- schutz-Folgen- abschätzung brauchen. Daten­ verantwortliche können Auftrags- verarbeiter beauftragen. Die ÖÄK erstellt Pro- totypen des Verzeichnisses für Verarbeitungstätig- keiten für Ärztin- nen/Ärzte. Einzelpraxen werden keinen Datenschutz­ beauftragten brauchen. Noch unklar ist, wie Gruppen­ praxen von der Behörde eingestuft werden.

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