AERZTE Steiermark | März 2018
6 ÆRZTE Steiermark || 03|2018 Eiko Meister Lehrpraxis: Jetzt aber wirklich Die Lehrpraxis ist gesichert. 90 Prozent der Kos ten übernehmen Bund, Länder und Sozialver- sicherungen, 10 Prozent die Lehrpraxisinhabe- rinnen und -inhaber. Damit werden 75 Prozent der Gehälter der in Lehrpraxisausbildung stehen- den Kolleginnen und Kollegen finanziert. Die ver- bleibenden 25 Prozent „des zustehenden Gehalts werden vom Rechtsträger, bei dem der Turnusarzt angestellt ist, übernommen (da er dort noch drei Nachtdienste pro Monat absolviert)“. Voraussicht- liche Gesamtkosten 2018 bis 2020: 24,8 Millionen Euro. Diese grundsätzlich sehr positive Einigung wurde von Ministerin Hartinger-Klein Mitte Februar verkündet. Sie hat nur eine Schwäche: Wie genau die Träger eingebunden werden, wie die Förde- rungen abgewickelt und die Arbeitsverhältnisse geregelt sein sollen, ist darin nicht erklärt. Im Interesse aller unmittelbar Beteiligten über- nimmt es jetzt die Österreichische Ärztekammer, dafür eine rechtlich und wirtschaftlich funktio- nierende Lösung vorzuschlagen. Es geht um Si- cherheit, um Verlässlichkeit, aber auch um mög- lichst wenig administrativen Aufwand. Aber es gibt neun Bundesländer mit unterschied- lichen Vorstellungen, die Spitalsträger im Eigen- tum der Länder, die aber trotzdem ein Eigenleben führen, und dazu Träger, die unabhängig von den Ländern sind. Es wird jetzt also der gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten bedürfen, damit die verkündete Einigung eine tatsächlich funktionie- rende wird. Es geht dabei um viel: um das Vertrauen in die Politik und Verwaltung natürlich. Vor allem aber darum, dass der „Landärztemangel“ und „Hausärztemangel“, genauso aber der Spitalsärzte mangel nur glaubwürdig bekämpft werden kön- nen, wenn die Ärzteausbildung gut funktioniert. Es geht um politische Verantwortung. Vizepräsident Dr. Eiko Meister ist Obmann der Kurie Angestellte Ärzte. INTRA KONT A „Wenn das die Lösung ist, hätte ich gerne mein Pro- blem zurück …“, so könnte man schmunzelnd meinen, wenn man die Maßnahmen zur Landarztförderung in Niederösterreich betrachtet (http://mitmachen.vpnoe . at/landarzt/). Das Problem des (Land-)Ärztemangels durch eine Er- höhung der Studienplätze zu lösen, scheint politisch gesehen eine gute Strategie zu sein – nicht zuletzt im Sinne der Infrastrukturförderung des eigenen Bundeslandes –, es ändert nur nichts am zugrunde liegenden Problem. Allerdings könnte durch das Igno- rieren der eigentlich den Ärztemangel verursachenden Faktoren eine noch höhere absolute Dropout-Quote von Absolventen erzeugt werden, die bei den exorbi- tanten, steuerfinanzierten Studienplatzkosten für das Humanmedizinstudium die Allgemeinheit zusätzlich belasten würde. Die wirksamen Lösungsansätze sind deutlich komple- xer, wie unsere eigenen Studien zur Berufsmotivation Allgemeinmedizin und zur Prävention des Landärzte mangels und auch viele Studien des Hauptverbandes zeigen: • Solange die Ausbildung prä- und postpromotio- nell nicht verbessert und verbindlich strukturiert sowie voll finanziert wird, • die politische Wertschätzung insbesondere gegen- über der Allgemeinmedizin und dem Hausarztbe- ruf nicht spürbar zunimmt – nicht zuletzt durch eine facharztadäquate Entlohnung und eine Aus- weitung des abrechenbaren Leistungsangebotes –, • und der administrative Aufwand nicht abnimmt, wird sich aller Wahrscheinlichkeit der Hausarztman- gel in den nächsten Jahren noch zuspitzen. Aber auch Krankenhausärzte werden in absehbarer Zeit zur Mangelware werden. Zu wünschen wäre da- her die Verabschiedung eines bundesweiten Maßnah- menpaketes im Konsens der Politik, der Sozialversi- cherungsträger und ärztlichen Interessenvertreter, die den eigentlichen Problemen geschuldet sind. Univ.-Ass. Dr. med. Stephanie Poggenburg ist Fachärz- tin für Allgemeinmedizin und Research Scientist/Senior Lecturer am Institut für Allgemeinmedizin und evidenz- basierte Versorgungsforschung der Meduni Graz Stephanie Poggenburg Mehr Studienplätze lösen das Problem nicht 2
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