AERZTE Steiermark | März 2018
ÆRZTE Steiermark || 03|2018 7 Fotos: Beigestellt, Elke Meister, Harry Schiffer, KAGes, Grafik: Konrad Lindner Das so genannte Datenschutzanpassungsgesetz nimmt alle Unternehmerinnen und Unternehmer in die Pflicht, auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Das ist grundsätzlich zu akzeptieren, auch wenn es nicht gerade ein Signal für den apostrophier- ten Bürokratieabbau ist. Zwei wesentliche Elemente des neu konzipierten Datenschutzes gelten aber für Einzelpraxen nicht: Sie müssen keine Datenschutzbeauftragten be- stellen und sie werden laut Datenschutzbehörde – voraussichtlich – keine „Datenschutz-Folgen- abschätzung“ erstellen müssen. Größere medi- zinische Einheiten (ab 10 Ärztinnen und Ärzte) brauchen aber beides. Keine Festlegung der Datenschutzbehörde gibt es jedoch für Gruppenpraxen von zwei oder mehr Ärztinnen und Ärzten. Und das, obwohl alle die- se Regeln in knapp drei Monaten in Kraft treten. Wir führen Informationsveranstaltungen zu dem Thema durch, wir informieren schriftlich, wir können aber nur verlässlich informieren, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen. Da wird auf der einen Seite für Gruppenpraxen und Primärversorgungseinheiten geworben, weil das Arbeiten im Team für die Ärztinnen und Ärzte und die Patientinnen und Patienten Vorteile bringt. Gleichzeitig werden sie aber von den Behörden im Unklaren darüber gelassenen, welche Belastungen ihnen ins Haus stehen könnten. So werden sich Ärztinnen und Ärzte aber nicht davon überzeugen lassen, dass die Ärztegesell- schaft besser ist als eine Einzelpraxis. Zusätzliche organisatorische und finanzielle Belastungen sind nicht dazu geeignet, neuen Team-Modellen zum Durchbruch zu verhelfen. Darüber müssen sich Gesundheitspolitiker Gedanken machen. Vizepräsident Dr. Norbert Meindl ist Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte. EXTRA Norbert Meindl Keine Werbung für Gruppenpraxen STANDORTBESTIMMUNG Herwig Lindner E-Medikation: Die Menschen verdienen sachliche Information Wechselwirkungsprüfung. Mit diesem schlagenden Argument wurden Zweifel an der E-Medikation schon von Anfang an nieder- gemacht. Bis dann in einem Buch eher verschämt enthüllt wurde, dass eine Wechselwirkungsprüfung gar nicht Bestandteil der E- Medikation sein wird. Technisch nicht machbar, so die offizielle Erklärung, zu teuer und haftungsrechtlich riskant, die inoffizielle. Nun ist sie also Realität. Keine Ärztin, kein Arzt ist gegen ver- nünftige E-Medikation, die einen besseren Überblick über die verordneten Medikamente bietet als vage Aufzählungen von Pa- tientinnen und Patienten. Sogar das Fehlen der direkten Wechselwirkungsprüfung werden wir hinnehmen und weiter auf die (teils kostenpflichti- gen) Datenbanken zurückgreifen. Zumindest die Kosten für die Implementierung des Tools sind gedeckt, die laufenden Wartungs- kosten werden für Kassenvertragsärztinnen und -ärzte übernommen. Ältere Kolleginnen und Kolle- gen, die bald in Pension gehen, sind von der Instal- lation befreit. Aber verantwortungsbewusste Ärztinnen und Ärzte werden ihre Patientinnen und Patienten weiter fragen, welche Medikamente sie tatsächlich einnehmen. Weil es unvermeidliche Lücken im Sys- tem gibt. Nicht nur die älteren Ärzte, die nicht eingeben (müssen), auch die Spitäler, deren Verordnungen und verabreichte0 Medi- kamente vorerst nicht im System sind. Dazu Patientinnen und Patienten, die eine Aufnahme ihrer Medikamente generell oder in speziellen Fällen ablehnen … die Liste der möglichen Lücken ist noch keinesfalls vollständig. Die verantwortungsbewussten Ärztinnen und Ärzte, die ihre Pati- entinnen und Patienten fragen, werden dennoch mit einer patzigen Antwort („steht ja alles in der E-Medikation“) rechnen müssen. Und dann den Patientinnen und Patienten erklären müssen, dass sie nicht wissen können, ob die E-Medikationsliste vollständig ist. Die Aufklärung der Bevölkerung darüber wurde politisch verspro- chen. Differenzierte Sachinformation gibt es in einzelnen Medien auch. Sie kommt aber nicht von den Proponenten des Projekts E-Medikation. Sondern von sachbezogen recherchierenden Jour- nalistinnen und Journalisten. Und der Ärzte- und der Apotheker- kammer, die auch die Probleme ansprechen, statt nur pauschal Jubelmeldungen zu verbreiten. Dr. Herwig Lindner ist Präsident der Ärztekammer Steiermark. DEBATTE
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