AERZTE Steiermark | Juli/August 2018

40 ÆRZTE Steiermark  || 07/08 | 2018 NIEDERGELASSENE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE Fotos: Stelzl, Schiffer, Zinner, Fotolia Der ganz normale Praxiswahnsinn PRAKTISCH TÄGLICH Von Ulrike Stelzl Erziehungssache Unten im Hof versucht gerade der Nachbar sein entzücken­ des Labrador–Riesenbaby zu erziehen. Die Hundeschule wird schon regelmäßig besucht und erste Erfolge sind bereits abzusehen. Zum Beispiel ist es mittlerweile so, dass – wenn das Tierchen sich mit all seinen begeisterten 35 Kilos und seiner Schlabberzunge zur freundlichen Begrüßung auf mich stürzt –, es aufs Zurückgepfiffenwerden hört. Es hält dann tatsächlich inne, dreht den Kopf, bewegt ein Ohr und ignoriert den Befehl schließlich ganz bewusst. Mal sehen, wer sich bei den beiden durchsetzt. Ganz ehrlich, ich setze auf den Vierbeiner. Aber das kommt vielleicht daher, dass ich Katzen habe. Tiere, die für ihre Folgsamkeit geradezu berühmt sind. Ein schneidendes, lautes Nein wird immer wahrgenommen – z. B. wenn ich dem Hausmonster verbiete, die Rosen zu fressen. Das Nein wird gehört, im Hirn ver­ arbeitet und dann aktiv ignoriert. Oder wenn unser Kater Lucifer schon wieder einen Artgenossen verhauen will. Dann zische ich seinen Namen, er zuckt kurz zusammen, wird langsamer, sieht mich total lieb an und dann sieht man nur mehr fauchende Pelzknäuel in einer Staubwolke. Vielleicht setze ich auch auf den Labrador, weil ich Ärztin bin und so mancher Patient erziehungsresistenter als meine Katzen ist. (Hier möchte ich anmerken, dass der Großteil meiner Patienten lieb, sympathisch und kooperativ ist.) Es gibt aber auch diejenigen, die meine Nase verletzen und meine Riechzellen verätzen. Manchen davon habe ich sogar schon gedroht, dass ich sie nicht mehr bei der Türe hereinlassen werde, geschweige denn behandeln. Umso genussvoller grinsen sie mich jetzt an, ungewaschen bei dieser Hitze, und heben noch die Arme ein wenig, um die Achseln auch gut zu lüften. Und dann gibt es noch diejenigen, die genau wissen, dass es keine Termine per E-Mail gibt und das einfach konsequent ignorieren. Dienstag Früh ist ein E-Mail in meiner Inbox. Von einem Patienten, der – drücken wir es einmal so aus – sehr auf sich und nur auf sich fixiert ist. Jedenfalls leidet er seit vier Wochen und deshalb ist es jetzt so dringend, dass mein Terminplan dabei irrelevant ist: „Ich komme heute Nachmittag um 13.00 Uhr. (Eine Stunde vor der Ordizeit!) Bitte bestätigen Sie den Termin!“ Dr. Ulrike Stelzl ist niedergelassene Ärztin für Allgemein­ medizin. Mehr von ihr gibt es im Buch „Hallo Doc! 2 Der ganz normale Praxiswahnsinn“ (erhältlich bei Amazon). Die Ordinationsstufe 2 um 4,80 Euro ist mit dem neuen Vertrag Vergangenheit. Es gibt nur mehr die Erstor- dination (19,91 Euro) und die weitere Ordination (6,80 Euro). Das ist für alle Fach- gruppen wichtig, aber speziell für die Allgemeinmedizin, wo Ordinationen ja einen ganz wesentlichen Honoraranteil ausmachen. Ein deutliches Zeichen für die Aufwertung der Kassen- Allgemeinmedizin ist auch die Einführung eines allge- meinmedizinischen Fach- gebietszuschlages von 2,05 Euro. Gleichzeitig wird der Besuchszuschlag signifikant von 7,74 auf 12 Euro erhöht. Verbandwechsel ohne Limit Streng limitiert war bisher der Verbandwechsel (Positi- on 282). Diese Begrenzung wird nun niedergerissen. Es gibt hier keine Limite mehr. Gleichzeitig kommt es fast zu einer Verdreifachung des Tarifs von 4,28 auf 12 Euro. Andere Limite werden zu- mindest deutlich gelockert: Beim gynäkologischen Ultra­ schall entfällt der Halbtarif ab 16 bis 32 Prozent. Das Oto- mikroskopie-Limit (HNO) erhöht sich von 50 auf 62 Pro- zent, das Bodyplethysmogra- fie-Limit (Lungenfachärzte) von 20 auf 26 Prozent. Das Limit für die Erhebung des psychischen Status wird eben- falls angehoben: bei reinen Psychiatern von 100 auf 108, bei Neurologen von 25 auf 32 und beim Doppelfach Psychi- atrie/Neurologie von 45 auf 51 Prozent. Präsentiert wurde der Ver- trag am 5. Juli bei einem ge­ meinsamen Pressegespräch, bei dem die Ärztekammer durch den verhandlungsver- antwortlichen Kurienobmann Niedergelassene Ärzte, Vi- zepräsident Norbert Meindl, und Vizepräsident Dietmar Bayer, die GKK durch Ob- mann Josef Harb und Gene- raldirektorin Andrea Hir- schenberger vertreten waren. „Die Bevölkerung erwartet sich zurecht, dass alle Kas- senstellen besetzt sind. Wir zeigen regionale Stärke und Flexibilität, um die ärztliche Versorgung in der Steiermark zu sichern und weiterzuent- wickeln“, sagte Meindl bei dem Pressegespräch. „Mit diesem Kassenvertrag ist in einem Klima des lösungsori- entierten Dialogs eine echte Qualitätsverbesserung gelun- gen. Manche Versäumnisse der vergangenen Jahre wur- den damit ausgeglichen“, er- gänzte Bayer. Zum Zeitpunkt, als der Ver- trag präsentiert wurde, stand allerdings noch der formale Beschluss in der GKK aus. Er GKK-Vertrag neu: Mehrere Jahre ging beim Kassenvertrag we- nig weiter. Statt einer echten Einigung gab es mehrfach nur die Tarifanpassungsklausel. Für 2018 haben sich GKK und Ärztekammer nun aber über markante Reformschritte geeinigt. Ein wesentlicher Eckpunkt ist die Aufwertung der Ordination. Insgesamt werden knapp 16 Millio- nen Euro investiert.

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