AERZTE Steiermark | September 2020

ÆRZTE Steiermark  || 09|2020 29 FORSCHUNG wie groß die Adhärenz in ihrer jeweiligen Gruppe war. Ihre Reports unterschieden sich nur darin, dass die In- terventionsgruppe explizit darauf hingewiesen wurde, welcher Geldbetrag aufgrund mangelnder Therapietreue an sie persönlich nicht ausbe- zahlt werden konnte. Ziel war es, „(to) generate regret among those participants who were not sufficiently adherent”. Wie erhofft, hat dieses Bedauern die Motiva- tion beflügelt: Nach (Nicht-) Ausbezahlen der ersten Prä- mie am Ende von Monat drei und der entsprechenden Information darüber, stieg bei der Interventionsgruppe der Prozentsatz der Therapie- treuen von 67,8 Prozent auf 77,1 (in der Kontrollgruppe von 63,5 auf 67,9). Am Ende der Studiendauer nahmen 73,3 Prozent der Interventi- onsgruppen-Mitglieder ihre Medikamente entsprechend Verordnung ein; in der Kon- trollgruppe waren es nur 62,1 Prozent. Der Anfangswert war in beiden Gruppen fast gleichauf gelegen. Zudem wa- ren jene Probanden mit nicht so gutem Zwischenergebnis monatlich an die Einnahme erinnert worden. Für 8 Singapur-Dollar Der durchschnittlich aus- bezahlte Betrag in der In- t e r vent i on s g r upp e l a g bei gut 8 Singapur-Dollar; kein großer Betrag für das Gesundheitssystem, aber für die Probanden nicht ganz so unwesentlich: 43 Prozent von ihnen leben in einem Haus- halt mit weniger als 2.000 Singapur-Dollar Gesamtein- kommen (bei deutlich hö- heren Lebenserhaltungskos­ ten als in Deutschland). Al- lerdings konnten im Rahmen der Studie keine eindeutigen Verbindungen zwischen dem sozioökonomischen Status der Probanden und dem „in- tervention benefit“ hergestellt werden. Um jedoch Gegenrechnungen mit längerfristigen gesund- heitlichen Auswirkungen inklusive Vermeidung zu- künftiger Behandlungskosten anzustellen, sei der Beobach- tungszeitraum zu kurz, kon- statiert die Studie. Frage der Übertragbarkeit Offen bleibt die Frage, in- wiefern sich ein Rabatt auf Behandlungskosten in das österreichische Gesundheits- system integrieren ließe, in dem in Ambulanzen ohnehin die gesamten Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. „Der Anreiz könnte als eine Reduzierung der Selbstbeteiligungen gegeben werden“, schlägt Studienau- tor Bilger vor. Interessant wäre auch, inwieweit kultur- typische Werthaltungen Ein- fluss auf das Ergebnis haben, ob es also in Mitteleuropa zu ähnlichen Ergebnissen käme. „Die österreichische Menta- lität unterscheidet sich sehr von der singapurischen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass finanzielle Anreize in sehr unterschiedlichen Ländern wirken. Daher denke ich, dass die Art und Weise, wie die Anreize präsentiert werden, letztendlich wichtig ist, um kulturelle Unterschiede an- zugehen. In Österreich sollten die Anreize gut in das Kran- kenversicherungssystem inte- griert sein“, betont Bilger. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/ pmc/articles/PMC6885505/ Kongressleitung: Prim. Assoc. Prof. Dr. Andrea Podolsky Veranstaltungsort: Universitätsklinikum Krems 3500 Krems, Mitterweg 10 Fortbildungs-ID: 683001 Leistungsphysiologisch-Internistisch- Pädiatrischer Grundkurs III zur Erlangung des ÖÄK Diploms Sportmedizin 2. - 4. Oktober 2020 „Training und Ernährung“ „Es hat sich … gezeigt, dass finanzielle Anreize in sehr unterschiedlichen Ländern wirken. Daher denke ich, dass die Art und Weise, wie die Anreize präsentiert werden, letztendlich wichtig ist, um kulturelle Unterschiede anzugehen.“ Marcel Bilger

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