AERZTE Steiermark | November 2021
ÆRZTE Steiermark || 11|2021 11 Foto & Chart: Conclusio COVER vorschriften (Verordnungen, Erlässen, selbst Gesetzesno- vellen) wird mit so großer Hast gearbeitet, dass sich immer wieder Unklarheiten ergeben oder sogar Fehler einschleichen. Gravierende Veränderungen werden ange- kündigt und berichtet, lange bevor sie rechtliche und fak- tische Realität sind. Ungeduld und Handlungsbedarf auf re- gionaler, manchmal sogar lo- Informationen heraus, die sie als Rosinen empfinden. Allgemeiner Verdacht „Über die Corona-Pandemie sagt man uns nicht die Wahr- heit.“ Dem stimmen 34 % der Österreicher*innen laut einer im Magazin Profil vom 29. Oktober 2021 (Online, n=1.000) veröffentlichten In- tegralumfrage „voll und ganz“ zu und weitere 30 % „eher“. Im Zusammenhang mit CO- VID-19 ist also das Vertrauen in die (gesundheits)politischen Institutionen offenbar erodiert. Aber das Misstrauen ist kein österreichischer Einzelfall. In der Frühphase der Pande- mie „bewegte sich die Regie- rung in einem chaotischen Entscheidungsrahmen, in dem wichtige Entscheidungen rasch zu treffen waren, um eine drohende Katastrophe zu vermeiden und wo wis- senschaftliche Evidenz nicht ausschlaggebend für den Entscheidungsprozess war“, befanden dänische und nie- kaler Ebene führen zu einem Fleckerlteppich an Vorschrif- ten, der sachlich nicht ver- standen werden kann. Übrig bleiben verwirrte Men- schen, die sich dem Informa- tions-Stakkato nach Mög- lichkeit entziehen, das sie als unbewältigbar empf inden. Oder s i e suchen die Quelle: The COVID-19 Consortium for Understanding the Public‘s Policy Preferences Across States (Northeastern University, Harvard University, Rutgers University, and Northwestern University |www.covidstateres.org | n = 25.640 (Februar 2021), 21.500 (März 2021), 20.669 (August 2021) 80 90 % 10 20 30 40 50 60 70 Angehörige von Gesundheitsberufen (USA), die nicht geimpft werden wollen in %. August 2021 März 2021 Februar 2021 Impfbereitschaft bei Gesundheitsberufen in den USA Bereits geimpft oder Impfung gewünscht. Gegen den Stich Ein kleines Booklet, das es auch online gibt, schlägt eine präzise und achtsam verwendete Impfsprache vor. Verfasst hat es AERZTE Steiermark-Chefredakteur Martin Novak. Es ist nicht größer als ein standardmäßiges Smartphone und hat nur 20 Seiten. „Über das Impfen sprechen und schreiben“ entspringt dem Bemühen, eine achtsame und der Genauigkeit, aber auch der Verständlichkeit verpflichtete Sprache zu wäh- len. Die unachtsame Verwendung von (Sprach-)Bildern ähnelt dem fahrlässigen Herumballern mit einer gefährlichen Waffe, so die Botschaft. Ein Beispiel ist die Reduktion und Fokussierung des Impfens auf den „Stich“. Nicht nur Medien, auch Behörden, der Politik und vielen Expertinnen und Experten fällt nur der „Stich“ ein, wenn sie vom Impfen sprechen. Aber niemand lässt sich des- wegen impfen. Freiheit, Schutz und Sicherheit sind die Motive. Warum werden dann die nicht bebildert? Den Guide für alle, die über das Impfen kommunizieren (müs- sen oder wollen), gibt es online unter bit.ly/ueberdasimpfen oder als kleines, gedrucktes Booklet im Smartphone-Format, unter anderem auch in der Ärztekammer Steiermark (solange der begrenzte Vorrat reicht). Kein großes Werk, nur ein kleiner Guide mit einigen allgemeinen Erklärungen und einem Impf- Wörterbuch. Download: bit.ly/ueberdasimpfen derländische Wissenschafter *innen in einem Artikel für das Journal POLICY DESIGN AND PRACTICE – bezogen auf die dänische Regierung, nicht auf die österreichische. Andere dänische Pol it ik wissenschafter*innen schrie- ben in einem erst kürzlich erschienenen Text für das renommierte US-Jour- nal PNAS , dass Trans- parenz das Vertrauen in die Gesundheitsbe- hörden erhalten und die Ausbreitung von Ver s chwör ungsg l au- ben aufhalten würde. Sie stützten sich dabei auf eine Befragung von fast 6.900 Menschen in Dänemark und den USA. Allzu werbliche und unklare Kommunikation ist demnach beim Impfen nicht hilfreich, auch wenn das Bemühen, negative Informa- tionen auszuklammern, was bei umfassender, quellenba- sierter und sachlicher Kom- munikation schwer denkbar ist, durchaus verständlich ist. Nur treibt diese Strategie of- fenbar Empfänger*innen in die Arme der Verschwörungs- mythen Produzierenden – in ihren inneren Panikraum. Manche Fakten werden nicht deswegen ignoriert, weil sie falsch sind, sondern weil die Absender abgelehnt werden.
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