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Ærzte
Steiermark
|| 04|2015
Ærzte
Steiermark
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news
Fotos: Clown Doctors: Gerd Eggenberger
Fit im Job: Einreichfrist bis Juni
AKUT
Versand boomt
Vers andapotheken sind
das erklärte Feindbild der
„Vorortapotheken“. Die wirt-
schaftlichen Zahlen (für
Deutschland) erklären auch
gut, warum das so ist.
Insgesamt erreichte der deut-
sche Pharmahandel bei re-
zeptfreien Medikamenten
(OTC-Präparaten) im letzten
Jahr einen Umsatz-Zuwachs
von 2,5 Prozent. Der verteilt
sich aber sehr ungleichmäßig
auf Online- und stationäre
Apotheken. Während die Apo-
theken im Netz nämlich ein
Plus von 11 Prozent erreich-
ten, liegt es bei den „richtigen“
Apotheken nur bei beschei-
denen 1,5 Prozent.
Drei Viertel dieses Umsatzes
erwirtschaften die Online-
Händler mit Arznei- und
Gesundheitsmitteln, 15 Pro-
zent tragen Körperpflege und
Kosmetik bei, dann folgen
„Artikel des Medizinischen
Sachbedarfs und Ernährungs-
produkte“.
Bei verschreibungspflichtigen
Medikamenten, der Domäne
von „Vorortapotheken“, gab
es 2014 (wieder) einen Rück-
gang.
Die Zahlen wurden übri-
gens von IMS Health erhoben.
Das ist jenes Marketingun-
ternehmen, das 2013 in die
Diskussion geriet, weil es in
Deutschland und Österreich
Zweifel am Schutz der Privat-
sphäre der Käuferinnen und
Käufer gab.
Die Debatte endete mit einer
Reinwaschung von IMS. Alle
Ermittlungen in Österreich
wurden eingestellt. Die ge-
sundheitspolitische „Großaf-
färe ist Vergangenheit.
Zitat
„Es ist nicht nur das Recht, sondern die Pflicht einer ärztlichen
Standesvertretung, … auf eine potenzielle Verschlechterung in der
Gesundheitsversorgung der Bevölkerung rechtzeitig hinzuweisen.“
Antwort der österreichischen Ärztekammerpräsidenten auf den Vorwurf von Politikern und
Sozialversicherungsvertretern, Ärzte würden das Gesundheitssystem schlechtreden.
Forschung Steiermark
Foto: Bernhard Bergmann, Creativ Collection
MEDIA BASED MEDICINE
Dreimal Zwillinge in vier Jahren
Seltener Kindersegen: Die Israelin Afat Ajasch
(26) hat binnen vier Jahren dreimal Zwillinge bekommen.
Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Serie beträgt eins
zu fünf Millionen. Es handele sich jeweils um spontane
Schwangerschaften ohne künstliche Befruchtung, erklärte
Dr. Chaim David, Leiter des Kreißsaals. Alle Zwillingspaare
seien zweieiig, also nicht identisch.
Quelle:
Täglich bekommen Patient-
Innen von den Medien neue
„Sensationen“ aus der Welt
der Medizin aufgetischt:
Frisch publiziert
y
Covalent adduct formation between the plasmalogen-de-
rived modification product 2-chlorohexadecanal and phlore-
tin.
Biochem Pharmacol. 2015; 93(4):470-481 [OPEN
ACCESS]
.
publikationen_mug_autoren?sprache_in=de&menue_
id_in=&id_in=&publikation_id_in=141035;
Von:
Üllen, A.; Nusshold, C.; Glasnov, T.; Saf, R.; Cantil-
lo, D.; Eibinger, G.; Reicher, H.; Fauler, G.; Bernhart, E.;
Hallstrom, S.; Kogelnik, N.; Zangger, K.; Kappe O., Malle
E.; Sattler, W.
Forscherinnen und Forscher der Grazer Medizinischen
Universität publizieren regelmäßig in internationalen
Journalen. Wir bringen jeden Monat aktuelle Beispiele.
Auf Basis der Einzelzellanaly-
se möchten Forscher in einem
internationalen Projekt nicht
nur die Tumorbiologie des
Brustkrebses zukünftig besser
verstehen, sondern letztend-
lich vor allem dazu beitragen,
individuelle Tumortherapien
im klinischen Alltag zu eta-
blieren. Thomas Kroneis, Lei-
ter der Forschungseinheit für
Einzelzellanalyse an der Med
Uni Graz, forscht derzeit als
Gast gemeinsam mit Kollegen
an der Universität Göteborg.
Einzelzellanalyse
Oft gleicht die Einzelzell
analyse der sprichwörtlichen
„Suche nach der Stecknadel
im Heuhaufen“, da die zu
analysierenden Zellen oft nur
in geringer Zahl vorkommen
und/oder gleichzeitig von
vielen anderen Zellen, den
sogennanten „Hintergrund-
zellen“, umgeben sind. Die
von Univ.-Ass. DI Dr. Thomas
Kroneis geleitete Forschungs-
einheit für Einzelzellanalyse
an der Med Uni Graz verfolgt
das Ziel, diagnostische Ana-
lysemethoden zu entwickeln
und in weiterer Folge anzu-
wenden. „Im Blut zirkulieren-
de Tumorzellen sind selten,
streuen jedoch frühzeitig über
den Blutkreislauf der Patient
Innen und bilden Metastasen“,
erklärt Thomas Kroneis. Da-
her ist ein optimaler Therapie-
verlauf kausal an die weitere
Erforschung dieser Zellen ge-
koppelt.
Diagnostik
Neben der Forschungsarbeit in
Zellkulturen wenden die Wis-
senschafter im Labormodell
eine Plattform zur Einzelzell-
diagnostik an, die eine Viel-
zahl an verschiedenen Ziel-
sequenzen gleichzeitig analy-
siert. „Rund 300 unterschied-
liche RNA-Zielsequenzen
sowie DNA und Proteine kön-
nen so gleichzeitig in jeder
Einzelzelle analysiert werden.
Die gewonnen Erkenntnisse
dienen einerseits der weiteren
Charakterisierung von Brust-
krebs sowie anderen Krebs-
arten mit dem Auflösungs-
vermögen von Einzelzellen,
andererseits aber dient der
Ansatz vor allem auch der Su-
che nach neuen Biomarkern.
So wie es aussieht, wird man
mit mehreren ganzen Sätzen
an Markern arbeiten müssen,
um eine auf zirkulierenden
Tumorzellen basierende Dia-
gnostik auf die Beine stellen zu
können. Die Plattform soll die
Analyse eben solcher poten-
zieller Marker auf der Ebene
von Einzelzellen ermöglichen.
Unterstützt werden die For-
scher von Partnern aus der
Industrie. Neben TATAA Bi-
ocenter AB, einem Unterneh-
men, das sich vor allemmit der
Entwicklung von Reagentien
in der Einzelzell-Analyse und
der damit verbundenen Cha-
rakterisierung von Tumor-
zellen einen Namen gemacht
hat, steht die Gilupi GmbH
mit dem Know how für die
Isolation der zirkulierenden
Tumorzellen zur Seite. „War
man bisher durch die Menge
an Blut limitiert, die man über
eine Blutabnahme gewinnen
konnte (etwa 10 ml), erlaubt
die neue Technologie nun,
dass die Zellen direkt aus
der Blutbahn isoliert werden
können.
Weitere Informationen:
Univ.-Ass. DI Dr. Thomas
Kroneis, Institut für Zellbiolo-
gie, Histologie und Embryolo-
gie, Forschungseinheit für Ein-
zelzellanalyse. Medizinische
Universität Graz; derzeit Uni-
versität Göteborg/Schweden
Der Preis für
Be-
triebliche Gesund-
heitsförderung in der
Steiermark wird 14.
Einreichschluss ist
der 12. Juni.
Der Gesundheitspreis für Un-
ternehmen „Fit im Job“ wird
heuer bereits zum 14. Mal
ausgeschrieben. Der Preis
ist eine gemeinsame Initia-
tive des Landes Steiermark,
der Wirtschaftskammer, der
Ärztekammer sowie von öf-
fentlichen (GKK, BVA, SVA)
und privaten Krankenversi-
cherungen.
Ausgezeichnet werden Un-
ternehmen, die sich in der
Betrieblichen Gesundheits-
förderung engagieren. Kri-
terien sind die Beteiligung
der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, die Integration
in die Unternehmenskultur,
das Projektmanagement, die
Ganzheitlichkeit und das En-
gagement der Unternehmens-
führung.
Verliehen wird der Preis in
vier Kategorien, abhängig
von der Mitarbeiterzahl des
Unternehmens. Im Vorjahr
gewannen das Stiasny Mo-
bilitätsmanagement, das Bil-
dungszentrum der Sicher-
heitsexekutive Steiermark,
das Kompetenzzentrum –
Das Virtuelle Fahrzeug sowie
die Hilding Graz, die Voest
Alpine und die Knapp AG.
Die Einreichungsunterlagen
gibt es elektronisch (fitimjob.
wkstmk.at/. Einreichschluss
ist der 12. Juni 2015.
Hunderte Zellinformationen könnten
Therapieverlauf prognostizieren.
Einzelzellanalyse: Individuelle
Tumortherapie als Zukunftsvision
Univ.-Ass.
DI Dr. Thomas
Kroneis
Initiative zur Erforschung psychischer Erkrankungen
Eine offenere und transparentere Forschung und eine stärkere Bürgerbeteiligung (www.
redensiemit.org) fordert die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Hintergrund ist eine Öster-
reich-Befragung des Gallup Instituts: Demnach fühlen sich fast 20 Prozent von psychischen
Erkrankungen bedroht, 80 Prozent kennen Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Und ebenfalls 80 Prozent meinen, psychische Erkrankungen seien immer noch ein Tabu-
Thema. 9 von 10 Befragten wollen eine Gleichstellung psychischer und physischer Erkran-
kungen. Durch die Initiative „Open Innovation in Science“ soll eine stärkere Beteiligung
der Bevölkerung am Forschungsprozess erreicht werden. Damit will die Wissenschaft auch
„stärker an die Bedürfnisse der Erkrankten heranrücken“, wie die Initiatoren kürzlich bei
einer Pressekonferenz erklärten.