Endlich, muss man sagen: Im Rahmen des
Großprojekts „Lebensphasenorientierung Ärzte
– bestmögliche Arbeitsbedingungen“ wurde
einvernehmlich ein Katalog entwickelt, der den
mitverantwortlichen Tätigkeitsbereich regelt.
Dass diese Einigung aus dem Gesundheits- und
Krankenpflegegesetz 1997 und dem Ärztegesetz
1998 abgeleitet ist, zeigt schon, wie lange der Weg
zu dieser Lösung war.
Damit ist aber die Tür für eine bessere Ausbil-
dung der jungen Kolleginnen und Kollegen weit
offen. Denn sie werden in Zukunft nicht der
sprichwörtliche „Flascherlzug“ sein müssen, der
durch die Abteilung zieht, um Infusionen an-
und abzuhängen oder Injektionen vorzubereiten.
Die entsprechende Richtlinie und die zugehörige
Dienstanweisung sind in Kraft, letzte Details wer-
den gerade geklärt.
Es muss betont werden, dass KAGes, die Vertre-
tung der Pflege sowie die RepräsentantInnen der
Ärztekammer diese Lösung gemeinschaftlich in
einer großen Arbeitsgruppe entwickelt haben.
Das ist ein erfreuliches Vorbild, hoffentlich auch
für die anderen Arbeitsgruppen in dem Projekt
(Details dazu finden sie auf Seite 42 in diesem
AERZTE Steiermark.).
Ein nächster, folgerichtiger Schritt ist zu tun:
Ausbildende Oberärztinnen und Oberärzte darf
es nicht nur auf dem Papier geben, sie müssen
von anderen Tätigkeiten so freigespielt werden,
dass sie die Ausbildung tatsächlich wahrnehmen
können.
Das wird nicht einfach: Aber es gibt den Konsens,
dass es notwendig ist. Und was notwendig ist, das
wird wohl auch möglich zu machen sein.
Vizepräsident Dr. Martin Wehrschütz
ist Obmann der Kurie Angestellte Ärzte.
intra
Weiterer Kurienbericht ab Seite 42.
Martin Wehrschütz
Das Ende des
„Flascherlzugs“
kont a
Im österreichischen Gesundheitswesen gibt es immer
noch gravierende Versorgungsmängel, vor allem im Be-
reich der funktionellen Kinder- und Jugendtherapien
(Ergo-, Physiotherapie und Logopädie zur Entwick-
lungsförderung), bei der Psychotherapie, der Rehabili-
tation und bei speziellen Operationen, die mit langen
Wartezeiten verbunden sind. Die Schließung dieser
Versorgungslücken muss eine vorrangige Aufgabe der
Gesundheitspolitik sein.
Gesundheit wird außerdem, ähnlich wie Verteilungs-
gerechtigkeit und Gleichheit, immer mehr zur sozial
politischen Frage. Damit hängt die Vermeidung und
Bekämpfung einer 2-Klassen-Medizin eng zusammen.
Der Abbau von Ungleichheiten erleichtert nicht nur
den Zugang zur bestmöglichen Versorgung, sondern
stärkt auch die Gesundheitsfähigkeit des Einzelnen
und fördert die Demokratie. Um diese Entwicklung zu
fördern, sind partizipative Ansätze im Gesundheitswe-
sen zu fördern.
Schon seit Jahren wird von einer notwendigen Entla-
stung der Spitäler und Spitalsambulanzen gesprochen,
die dazu notwendige konsequente Aufwertung und
der Ausbau des niedergelassenen Bereiches blieb aber
aus. Die Krankenkassen verfolgen im niedergelassenen
Bereich eine inkonsequente Doppelstrategie, die eine
negative Entwicklung zur Folge hat. Einerseits soll der
niedergelassene Bereich gestärkt werden, andererseits
wird der freie Zugang zu den niedergelassenen Gesund-
heitsberufen über Gesamtverträge nicht gefördert bzw.
sogar zurückgedrängt. Die negativen Folgen haben die
PatientInnen zu tragen: Bei vielen niedergelassenen
ÄrztInnen gibt es lange Wartezeiten, fast alle niederge-
lassenen ÄrztInnen haben an den Tagesrandzeiten und
an den Wochenenden ihre Praxen geschlossen. Drin-
gend notwendig ist es, die derzeit bestehenden hohen
bürokratischen Hürden bei der Gründung von Grup-
pen- und Gemeinschaftspraxen zu beseitigen. Auch die
Anstellung von ÄrztInnen durch ÄrztInnen sowie neue
Formen der Zusammenarbeit zwischen ärztlichen und
psychosozialen bzw. nichtärztlichen Gesundheitsberu-
fen müssen ermöglicht werden.
Eva Mückstein ist Gesundheitssprecherin der „Grünen“
und Abgeordnete zum Nationalrat.
Eva Mückstein
Demokratisierung und
Strukturreformen für das
Gesundheitswesen
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Ærzte
Steiermark
|| 03|2013