Ærzte
Steiermark
 || 03|2014
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titel
Es ist erbärmlich,
dass wir über solche
Themen sprechen
müssen, die überall
auf der Welt funktio-
nieren und in Öster-
reich auch gesetzlich
geregelt sind. Es liegt
nicht daran, dass wir
nicht arbeiten wollen.
Alexander Moussa
Vor einem Jahr habe
ich darauf hingewiesen,
dass uns die Leute
davonlaufen. Da hat
man gesagt, ich male
den Teufel an die Wand.
Mittlerweile sagen die-
selben, dass sie die
Situation unterschätzt
haben.
Karlheinz Kornhäusl
Kann ich 20, 30 Jahre in die-
sem Beruf durcharbeiten? Da
kenne ich viele Kolleginnen
und Kollegen, die sagen, unter
diesen Bedingungen tue ich mir
das sicher nicht an. Das gilt so-
wohl für den Spitals- als auch
den niedergelassenen Bereich.
Karheinz Kornhäusl
Die Wertschätzung für den
Allgemeinmediziner, und ge-
nerell dem Arzt gegenüber, ist
stark reduziert worden. Es wird
auch Gesundheitsleistung kon-
sumiert. Es wird auch zu wenig
kommuniziert, was an finanziel-
len Mitteln durch das Konsum-
verhalten der Gesellschaft in
diesem Bereich verbrannt wird.
Die Wertschätzung gegenüber
der Basisversorgung ist nicht
mehr da, mitunter auch
unter den Kollegen.
Wolfgang Oswald
Wir wollen hochqualitativ ar-
beiten, wir wollen aber auch
hochqualitativ leben. Wenn wir
das nicht zusammenbringen,
werden uns die Ärzte ausge-
hen, vor allem in der Peripherie
und im niedergelassenen Be-
reich werden sich keine finden.
Ich wollte immer Allgemeinme-
diziner werden, aber es gehört
sehr viel Motivation dazu, das
auch durchzuhalten.
Alexander Mousa
Man sagt, wir haben
keinen Ärztemangel,
sondern ein Vertei-
lungsproblem. Die
Auswirkungen sind
aber die gleichen. Ein
Verteilungsproblem ist
genauso schlimm wie
ein Mangel.
Laurenz Schöffmann
Eigentlich sollte man
die Freizeit auch nut-
zen, um sich weiterzu-
bilden. Das funktioniert
aber nicht. Wenn man
nach Hause kommt
und dann platt ist, und
die letzten Dienste
noch in den Knochen
stecken, funktioniert
das nicht.
Christian Thomalla
Wir haben 70 Prozent Turnus-
ärztinnen und 50 Prozent Assis-
tentinnen. Die Vereinbarkeit von
Beruf und Familie ist eine zent-
rale Herausforderung. Derzeit ist
das System im niedergelassenen
Bereich ein Steinzeitmodell, das
vorsieht, dass nur ein Mann Arzt
ist und dahinter eine Frau steht,
die das Essen kocht und ihm den
Rücken freihält. Es kann doch
nicht sein, dass ich entscheiden
muss, ob ich in die Praxis gehen
oder eine Familie haben will.
Aber so ist es.
Kathrin Sieder
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