Ærzte
Steiermark
|| 03|2014
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Dieser Tage wurde in Hartberg der erste Styriamed.
net-Verein der Steiermark mit 49 Mitgliedern
gegründet: Ein Landeskrankenhaus, ein Ordens-
spital, niedergelassene Ärztinnen mit und ohne
Kassenvertrag, Fachärztinnen und Fachärzte sowie
Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizi-
ner arbeiten eng zusammen. Das nächste regionale
Netzwerk in Weiz soll bald auch ein eigener Verein,
ein weiteres Netzwerk sein – das sechste in der Stei-
ermark steht vor der Gründung.
Das ist ein großes und greifbares Bekenntnis zur
Zusammenarbeit im Interesse der Patientinnen und
Patienten. Es bedeutet Hilfe, um besser durch das
System zu finden, es bedeutet Beschleunigung, und
es bedeutet auch besseren Informationsaustausch.
Bei der Auftaktveranstaltung wurde etwa die not-
ärztliche Versorgung besprochen.
Ärztenetzwerke sollen andere Kooperationsformen,
wie Gruppenpraxen, Ärztegesellschaften oder
Jobsharing, nicht ersetzen. Der große Vorteil: Das
können Ärztinnen und Ärzte alleine machen, ohne
langwierige Verhandlungen mit Krankenkassen,
Land oder Bund. Da muss kein Gesetz geändert
und keine Verordnung erlassen werden.
Projekte wie Styriamed.net sind echte Reformen im
Rahmen der gegebenen Rahmenbedingungen. Sie
sind ein Beweis, dass Ärztinnen und Ärzte sinn-
vollen Reformen positiv gegenüberstehen, dass sie
diese sogar ohne Unterstützung der öffentlichen
Hand zustandebringen, ohne viel darüber zu reden.
Selbstverständlich sind Ärztenetzwerke in der heu-
tigen Form noch ausbaufähig, und sie sollen auch
ausgebaut werden. Wichtig ist aber, dass es sie gibt,
dass die Arbeit – vor allem die Zusammenarbeit –
bereits begonnen hat und Früchte trägt.
Vizepräsident Dr. Jörg Garzarolli
ist Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte.
extra
Weiterer Kurienbericht ab Seite 46.
Jörg Garzarolli
Styriamed.net: Nicht
reden, einfach handeln
debatte
Fotos: Ärztekammer Steiermark/Schiffer, beigestellt, Grafik: Mirko Maric´, Parlamentsdirektion/Simonis
Standortbestimmung
Herwig Lindner
Versagen der
ELGA-Information
ELGA ist ein Informations-(Technologie)-Projekt. Also darf man
erwarten, dass die Information funktioniert. Aber im Gegenteil:
ELGA-Gesellschaft und Minister bejubeln das Ergebnis einer
selbst beauftragten Umfrage, obwohl diese alarmierend ist: We-
niger als ein Jahr vor der ELGA-Realität kann nur eine von neun
befragten Personen erklären, was ELGA bedeutet und was die
Vorteile und Nachteile sein können. Angesichts dieses Resultats
kehrt sich ein weiteres Ergebnis, nämlich dass 40 Prozent ELGA
eindeutig als Fortschritt betrachten, gegen sich selbst: Der Wert
einer Zustimmung zu etwas, das man nicht kennt, ist nichtig.
Wir können uns des Ein-
drucks nicht erwehren, dass
die ELGA-Verantwortlichen
das Projekt als Propaganda-
Schlacht angelegt haben.
Kein Statement kommt
ohne unqualifizierte An-
griffe gegen die Ärzteschaft
aus. Menschen, die aus
Besorgnis über die Qualität des Datenschutzes ausgestiegen sind,
wird suggeriert, sie handelten verantwortungslos, obwohl sie nur
ihre gesetzlich verbrieften Rechte ausüben.
Statt Propaganda erwarten wir sachliche Information. Dass die E-
Medikation von ELGA keine Wechselwirkungsprüfung enthält –
die eines der stärksten Pro-Argumente war – aus den rechtlichen
Bestimmungen herauslesen zu müssen oder aus einem Buch, das
es nur zu kaufen gibt, ist ein kommunikativer Kunstfehler.
Dass die weggefallene E-Wechselwirkungsprüfung mit einer Ko-
stenersparnis von jährlich 6,7 Millionen Euro aufgeführt wird,
dass es keine Gesamtkostenrechnung gibt, die Investitionen bei
niedergelassenen ÄrztInnen und in Krankenhäusern berücksich-
tigt, dass völlig unklar ist, wie das situative Widerspruchsrecht
und die zugehörige Aufklärung zu handhaben sind, dass so
manche ELGA-„Vorteile“ längst Realität sind, weil Ärztinnen und
Ärzte nicht in der Computer-Steinzeit arbeiten, nährt die Skepsis.
Herr Minister, liebe ELGA-Verantwortliche: Beschimpfen Sie die
Ärztinnen und Ärzte nicht, überzeugen Sie uns. Wenn Sie das
nicht können, liegt es vielleicht doch an ELGA in der derzeitigen
Form – und nicht an den Ärztinnen und Ärzten.
Dr. Herwig Lindner ist Präsident der
Ärztekammer Steiermark.