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Ærzte
Steiermark
 || 03|2014
Fotos: Schiffer
Kommunikationsversagen
„90 Prozent wissen nicht, was ELGA
ist. Das ist erschreckend. Es fehlt
einfach an Information der Politik.“
Herwig Lindner
„Achtung ELGA!“, unter die-
sem Motto stand Ende Febru-
ar ein Abend in der Ärzte-
kammer für Steiermark. Als
Diskutanten konnte Präsident
Herwig Lindner Dr. Hans Ze-
ger, Präsident der ARGE Da-
ten, Univ.-Prof. Dr. Karl Peter
Pfeiffer, eHealth-Beauftragter
des Landes Steiermark, Dr.
Ernest Pichlbauer, Experte
für Gesundheitspolitik und
strategische Planung und OA
Dr. Dietmar Bayer, Facharzt
für Psychiatrie und Psycho-
somatische Medizin, Allge-
meinmediziner und Präsidi-
alreferent der Ärztekammer
Steiermark am Podium be-
grüßen. Moderiert wurde die
Veranstaltung von AERZTE
Steiermark-Chefredakteur
Martin Novak.
Dass ELGA „polarisiert“
merkte Lindner, der sich
„nicht gegen ELGA“, sondern
für ein „sinnvolles Datensy-
stem ausspricht“, schon in
seinen Eingangsworten an,
den Beweis erbrachten die
folgenden rund zwei Stunden.
Einig waren sich die anwe-
senden Diskutanten in dem
Punkt, dass es von Seiten der
ELGA-Betreiber wenig bis
gar keine Informationspolitik
zum Projekt gibt. „Es werden
heute die gleichen Argumente
vorgebracht wie vor zehn Jah-
ren. Das ist ein ganz klares
Kommunikationsversagen
der Politik“, führte Pichlbau-
er an. Sorgen äußerten die
anwesende Ärzteschaft, und
auch ein Teil der Diskutanten,
hinsichtlich der Verwendung
des Systems: Ein großer Teil
befürchtet, dass ELGA ein
Instrument zur „Systemkon-
trolle“ werde. So wie es im
Moment aufgebaut ist, „wäre
es das ideale System für ein
Controlling“, bestärkt Zeger
diese Befürchtungen. Bayer
merkte an, dass „ELGA eine
riesige Schuhschachtel voller
PDF-Dateien ist, welches den
gläsernen Arzt für das System
erschafft“.
Kritikpunkte
Dass der Unmut unter den
Ärztinnen und Ärzten im
Moment groß ist, zeigten wei-
tere Wortmeldungen: „Man
ist aus den Erfahrungen der
letzten Jahre angefressen, die
Betreiber hätten vorher die
Usability festlegen und nicht
das Pferd von hinten aufzäu-
men sollen.“ Weiters: „Keiner
der Betreiber hat eine Ah-
nung, was im Sprechzimmer
passiert. Die sollen uns ein-
mal einen Tag lang über die
Schulter schauen.“ Weitere
Kritikpunkte zum jetzigen
Stand des Projektes waren
auch das „situative Wider-
spruchsrecht“ und dass an-
stelle eines „Opt-out“- ein
„Opt-in-System“ hätte instal-
liert werden müssen, also eine
Anmeldung der Patientin/des
Patienten zum System und
keine Abmeldung. Ärztinnen
und Ärzte berichteten, dass
viele der PatientInnen im Mo-
ment verunsichert sind und
teilweise „70 bis 90 Prozent“
der PatientInnen nach dem
Gespräch aus ELGA austreten
wollen.
Ein drastisches Bild zeichnete
am Ende der Veranstaltung
Dietmar Bayer: „ELGA droht
ein Zusammenbuch wie der
ehemaligen Sowjetunion. Es
ist für mich kein System-
nutzen für die Ärzteschaft
sichtbar.“
Offene Worte in den Offenen Räumen
der Ärztekammer für Steiermark.
Der ELGA-Diskussionsabend zeigte eindeutig: Die Informationspolitik der
Betreiber hat bis jetzt versagt.
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