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Ærzte
Steiermark
|| 03|2014
titel
„Mutige Struktur-Revolution“
Die Situation hat sich kom-
plett verändert. Früher gab
es diese Frequenzen in den
Ambulanzen nicht. Man
hat die Bettenstationen
versorgt und dann sind
vielleicht ein, zwei Leute
zufällig gekommen. Du hast
nicht 30 Patienten in einer
Nacht versorgen müssen.
Marlene Grillitsch
Früher hat man 15 Dienste
gemacht und stolz erzählt, wie
viel man verdient. Heute stimmt
nicht einmal mehr das Gehalt.
Wenn man 28 Stunden durch-
arbeitet und dann noch auf die
Autobahn muss, und das täglich,
ist das unaushaltbar.
Johannes Heidinger
Ich habe selbst mit einem
älteren Kollegen gesprochen,
und er hat erzählt, dass er
seine Kinder nur auf dem
Foto groß werden gesehen
hat. Das wollen wir sicher
nicht, weder eine junge
Mama, noch ein junger Papa.
Wir wollen unsere Kinder
‚live’ aufwachsen sehen.
Karlheinz Kornhäusl
Im Falle einer Ausbildungs-
verantwortlichkeit möchte ich
keine Dilettanten in meiner
Abteilung haben, egal, ob sie
müde sind oder nicht. Die
Ausbildung muss so gut wer-
den, dass ich keine Dilettan-
ten habe. Ich möchte lauter
gute und fitte Mitarbeiter ha-
ben. In Zeiten, in denen auch
die rechtlichen Rahmenbe-
dingungen immer schwieriger
werden, ist es das Um und
Auf, ausgeschlafen zu sein.
David Windisch
Gute Ausbildung und Work-Life-
Balance
sind nur zwei Anliegen
der jungen Ärztinnen und Ärzte.
In einem AERZTE Steiermark-
Gespräch verwehren sie sich dage-
gen, nicht mehr so leistungsbereit
zu sein wie frühere Generationen.
Grundtenor: Nicht die Ärztinnen
und Ärzte haben sich verändert,
sondern das System.
Was früher ge-
gangen ist, geht
heute nicht mehr.
Rechtlich und ge-
sellschaftlich ist das
nicht mehr haltbar.
Johannes Heidinger
Die Forderungen kommen spontan. Und sie sind realistisch. Zeit
für Ausbildung, die sich auch rentieren muss, Gruppenpraxen
und vorgeschaltete Zentren zur Entlastung der Ambulanzen, eine
Finanzierung der niedergelassenen Versorgung, die Realisierung
der vorhandenen Gesetze … fallen da. Marlene Grillitsch, Jo-
hannes Heidinger, Karlheinz Kornhäusl, Aida Kuljuh, Wolfgang
Oswald, Laurenz Peter Schöffmann, Kathrin Sieder, Christian
Thomalla, David Windisch und Birgit Wolff über den Arbeitsall-
tag der jungen Ärztinnen und Ärzte und darüber, wie man ihn
verbessern müsste, damit die Gesundheitsversorgung gut bleibt.
Es gibt nicht nur das Spital und
nur die Niederlassung. Man
muss auf beide Seiten schauen.
Überall werden einem Prügel
zwischen die Füße geworfen.
Nur wenn grundlegend refor-
miert wird, wenn sich die Ge-
samtstruktur verändert, dann
kann das Werkl funktionieren.
Wenn die Spitäler entlastet,
und die niedergelassenen Ärzte
gestärkt werden, wenn Regula-
tive eingezogen werden, damit
die Leute nicht ziellos im Sys-
tem herumirren.
Christian Thomalla