14
Ærzte
Steiermark
 || 03|2014
Schreibstunde
I
Du sollst neben mir keine anderen Ärzte haben.
Und wenn doch, sollst du mir mitteilen, wo du schon
warst, was man dir verschrieben hat, und welche Unter-
suchungen bereits durchgeführt worden sind!
II
Du sollst die Sprechstundenhilfe deines Arztes mit
einem Lächeln beglücken und sollst deinen Arzt weder
anschreien noch beschimpfen, damit er sich mit uner-
schütterlicher Liebe deinen Gesundheitsproblemen wid-
men kann und du lange lebst und gut behandelt wirst,
trotz des mageren Honorars, das dein Doktor von der
Kasse bekommt!
III
Du sollst dich waschen!
IV
Du sollst dich öfter und gründlicher waschen! Und nicht
nur dich, sondern auch deine Kleidung!
V
Du sollst nicht nach den kleinen grünen oder den großen
roten Pillen fragen, sondern Schachteln und Blister mit-
bringen, wenn du dir schon ihre Namen nicht gemerkt
hast!
VI
Du sollst nicht nehmen die Kapseln, die
dein Doktor eigentlich deiner Mizitante
verschreiben hat!
Die Grazer Allge-
meinmedi z iner in
Ulrike Stelzl schreibt
seit Jahren Kolum-
nen in der „Medical
Tribune“. Ein „Best
of“ gibt es nun auf
über 300 Seiten in
Buchform.
Robert Ernst-Kaiser
Ulrike Stelzl ordiniert als
Allgemeinmedizinerin in der
Grazer Marktgasse und ist
seit Jahren publizistisch tä-
tig: Zwischen 2002 und 2008
ordinierte sie als „Radiodok-
torin“ regelmäßig im Radio
Steiermark, seit nunmehr
acht Jahren schreibt Stelzl
auch eine Kolumne in der
Zeitschrift „Medical Tribune“.
„Damals als Wahlärztin habe
ich angefangen, die Kolumne
zu schreiben. Ich war chro-
nisch unterbezahlt und über-
arbeitet und hatte auch nicht
mehr die Kraft für noch mehr
Wochenenddienste oder Ver-
tretungen“, so Stelzl über ihre
Motivation einen passenden
Nebenjob zu suchen. Idealer-
weise stolperte die geprüfte
Karate-Trainerin über einen
Aufruf der Medical Tribune,
sich zu melden, wenn man
journalistisch etwas zum Er-
folg der Zeitung beitragen
könnte. Gesagt, getan, erklär-
te Stelzl dem damaligen Chef-
redakteur, dass der Zeitung
eine Kolumne fehle: Damit
war „Hallo Doc“ aus der Tau-
fe gehoben. Schreiben machte
Stelzl immer schon Spaß, nun
wurde aus dem Nebenjob
„eine Leidenschaft“.
Hausarzt-Aufwertung
Ihre Hauptanliegen in den
Kolumnen standen schon
früh fest: Die „reale Auf-
wertung de Hausarztes“, der
Nichtraucherschutz und auch
der „Gesundheitswahn“ sind
zentrale Themen ihres schrei-
berischen Schaffens. „Der
Hausarzt wird nur in der
Bürokratie aufgewertet, in der
ärztlichen Arbeit jedoch jähr-
lich abgewertet. Wir Haus­
ärzte wollen als Ärzte wahr-
genommen werden, denn im
Turnus haben wir nicht nur
schreiben gelernt“, kämpft
Stelzl mit Hilfe ihrer Ko-
lumnen um den Stand ihrer
Zunft. Auch das Thema der
Öffnungszeiten ist ihr ein
großes Anliegen. „Wir sind
nicht nur die ewigen Arbeits-
tiere und müssen auch Zeit
finden zu regenerieren. Wir
leben in einer Zeit, in der,
egal in welchem Beruf, jeder
ziemlich rasch verheizt wird.“
Der Schreibstoff ist Stelzl in
all den Jahren nicht ausge-
gangen. Auch wenn sie oft an
dem Punkt war, an dem ihr
„sicher nichts mehr einfal-
len wird“, wurde von Außen
gutes Schreibmaterial gelie-
fert: „Es gibt ja schließlich im-
mer wieder großzügig neuen
Stoff von Seiten der Kranken-
kassen, der Regierung, dem
Gesundheitsministerium und
der EU. Lassen die einmal aus,
kommen genügend kreativi-
tätsinduzierende Personen in
meine Praxis“, schmunzelt
Stelzl.
serie
Ärztin im besonderen Dienst
1...,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13 15,16,17,18,19,20,21,22,23,24,...68