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Ærzte
Steiermark
|| 03|2014
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„ELGA ist wie ein Viererbob. Der
Minister ist Steuermann, Patienten
die Anschieber. Wie in jedem Bob,
gibt es auch hier einen Bremser.“
Karl Peter Pfeiffer
„ELGA ist ein Instrument der
Versorgungsebene, das nicht zur
Systemkontrolle verwendet werden
darf.“
Ernest Pichlbauer
„Was gestern in ELGA noch aktuell
war, ist so alt, wie die Zeitung von
gestern.“
Dietmar Bayer
„Auf einem Tresorschlüssel kleben
keine Diamanten. Aber wer den
Schlüssel hat, kann sich die
Diamanten im Tresor holen.“
Hans Zeger
Die Meldung kam
in Buchform: Die E-
Medikation wird keine
Wechselwirkungsprü-
fung enthalten. Verläss-
lich dürfte die Informa-
tion sein: Schließlich
hat es der für ELGA zu-
ständige Sektionschef
im Gesundheitsministe-
rium, Clemens Martin
Auer, geschrieben.
Ein zentrales Element von
ELGA, die E-Medikation, ist
in ihrer Wirksamkeit erheb-
lich in Frage gestellt. Dem
jüngst im Manz-Verlag er-
schienen „ELGA-Handbuch“
ist zu entnehmen, dass die
so genannte „Wechselwir-
kungsprüfung“ laut Austria
Presse Agentur (APA) aus
dem System gestrichen wird.
Pikanterie: Einer der Autoren
des Buches ist Clemens Mar-
tin Auer, Leiter der Sektion 1
im Gesundheitsministerium
(Gesundheitssystem, Zentrale
Koordination) und Vorsitzen-
der des Koordinierungsaus-
schusses der ELGA GmbH.
Die Wechselwirkungsprü-
fung sei eines der Hauptpro-
bleme beim Pilotversuch der
E-Medikation im Jahr 2011
gewesen, begründet Auer die
Entscheidung gegenüber der
APA: Es gab zu viele Fehler-
meldungen, teilweise war das
System auch nicht sensibel
genug. Derzeit gebe es kein
wissenschaftlich fundiertes
und ausgereiftes System, das
man generell verwenden kön-
ne, so Auer.
Die Lösung ist nun eine ganz
und gar nicht elektronische:
Die Prüfung auf Wechselwir-
kungen soll wie auch heute
„in den Köpfen der ELGA-
GDA (Gesundheitsdienstean-
bieter, Anm.)“ stattfinden,
heißt es im Handbuch lapidar.
Eine Einsparung von 6,7 Mil-
lionen Euro sollte die Vermei-
dung von Wechselwirkungen
durch die E-Medikation brin-
gen, rechneten ELGA GmbH
und Gesundheitsministerium
vor. Dieses Argument ist aber
nicht erst jetzt durch den
Stopp für die Wechselwir-
kungsprüfung nahezu obsolet,
sondern wurde schon zuvor
durch den Rechnungshof-
Bericht zum E-Medikations-
Piloten (2014-3) in Frage ge-
stellt: „Die im Arbeitspapier
der ELGA GmbH genann-
ten jährlichen Kostendämp-
fungen von 6,70 Mio. EUR
waren nicht nachvollziehbar“,
heißt es dazu lapidar im RH-
Bericht. Aus dem Pilotprojekt
hätten sich lediglich Kosten-
dämpfungen von 88.000 Euro
ergeben.
Die Kosten für den Pilotver-
such, so der Rechnungshof,
seien dagegen deutlich höher
ausgefallen, als ursprünglich
veranschlagt: 3,15 Millionen
Euro waren im Budget vor-
gesehen, letztendlich mussten
mehr als 3,7 Millionen ausge-
geben werden.
Clemens Martin Auer, Carina
Milisits, Sebastian Reimer:
ELGA-Handbuch – Die Elek-
tronische Gesundheitsakte.
MANZ‘sche Wien 2014. ISBN:
978-3-214-00734-8
ELGA-Panne:
Kernfunktion
einfach gestrichen
Heftiger ELGA-Schlagabtausch im vollen Haus der Me-
dizin: Zeger, Pfeiffer, Moderator Novak, Bayer (v.l.n.r.)
ELG
A
Fotos: MANZ´sche Verlag