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Ærzte
Steiermark
 || 03|2014
Forschung Steiermark
MEDIA BASED MEDICINE
Abnehmen bei kalten Temperaturen
Eine niederländische Forschergruppe will einen Weg ge-
funden haben, wie mit Kälte Kilos verloren werden können.
Öfters einmal die Heizung herunterdrehen schone nicht nur
die Umwelt, sondern kurble auch den Stoffwechsel an, ver-
mutet das Team um den Biologen Prof. Wouter van Marken
Lichtenbelt aus Maastricht.
Quelle:
medizin/endokrinologie/?full=38985
Täglich bekommen Patient-
Innen von den Medien neue
„Sensationen“ aus der Welt
der Medizin aufgetischt:
Geschlecht bestimmt Erkrankungsrisiko
im
Mutterleib. Grazer WissenschafterInnen untersu-
chen geschlechtsspezifische Plazentafunktion.
Mehr Risiko für männliche Föten
Ein internationales Team von
WissenschafterInnen rund um
Univ.-Prof. Dr. Gernot Deso-
ye, Univ.-Klinik für Frauen-
heilkunde und Geburtshilfe
der MedUni Graz, hat nun
untersucht, ob und wie das
Geschlecht des Fötus die
Funktion der Plazenta beein-
flusst. Dies könnte eine Erklä-
rung dafür darstellen, warum
Schwangerschaftsprobleme bei
männlichen bzw. weiblichen
Föten unterschiedlich häufig
auftreten.
Die Plazenta ist ein fötales Or-
gan, welches in die Gebärmut-
terschleimhaut einwächst und
als Hauptversorgungsorgan
des Fötus fungiert. „Einerseits
übernimmt die Plazenta die
zentrale Versorgung des Fö-
tus, sie übernimmt aber auch
hormonelle Aufgaben und
beeinflusst das Immunsystem
der Mutter“, erklärt Desoye die
zahlreichen Aufgaben dieses
Organs. Noch wenig erforscht
ist derzeit der tatsächliche Ein-
Frisch publiziert
y
Identification of bone morphogenetic protein 7 (BMP7) as
an instructive factor for human epidermal Langerhans cell
differentiation
in J Exp Med. von Yasmin, N; Bauer, T; Mo-
dak, M; Wagner, K; Schuster, C; Köffel, R; Seyerl, M; Stöckl,
J; Elbe-Bürger, A; Graf, D; Strobl, H
y
Effect of Orthostasis on Endothelial Function: A Gender
Comparative Study
in PLOS ONE von Goswami, N; Gorur,
P; Pilsl, U; Anyaehie, B; Green, DA; Bondarenko, AI; Ro-
essler, A; Hinghofer-Szalkay, HG
Forscherinnen und Forscher der Grazer Medizinischen
Universität publizieren regelmäßig in internationalen
Journalen. Wir bringen jeden Monat aktuelle Beispiele.
Foto: creativ collection, MedUni Graz
fluss der Plazenta auf das Im-
munsystem der Mutter. „Die
Plazenta beeinflusst das müt-
terliche Immunsystem derart,
dass es das Kind zwar vor In-
fektionen schützt, gleichzeitig
jedoch das Immunsystem da-
ran hindert, die Plazenta bzw.
den Fötus als Fremdgewebe
abzustoßen“, so Desoye. Hier
setzen die ForscherInnen an
und untersuchen den Einfluss
des Geschlechts des Fötus auf
die Funktion der Plazenta.
Das Geschlecht des Fötus
beeinflusst die Schwanger-
schaft maßgeblich. „Während
der Schwangerschaft haben
männliche Föten ein höheres
Sterblichkeitsrisiko und sind
auch von Schwangerschafts-
komplikationen insgesamt
stärker betroffen als weibliche
Föten“, zählt Desoye die ge-
schlechtsspezifischen Unter-
schiede in der Entwicklung
des Embryos auf. Darum ver-
muteten die Wissenschafter­
Innen geschlechtsspezifische
Unterschiede in der Plazenta-
funktion, reguliert durch die
Beeinflussung der Gene in der
Plazenta durch das Geschlecht
des Fötus.
In der Plazenta übernimmt
eine Vielzahl an Genen be-
stimmte Aufgaben und steuert
verschiedene Prozesse. Sowohl
in Plazenten von männlichen
als auch weiblichen Föten sind
grundsätzlich dieselben Gene
vorhanden, jedoch ist deren
Vorkommen vom Geschlecht
des Fötus beeinflusst. „Unsere
Untersuchungen haben ein-
deutig gezeigt, dass die Expres-
sion bestimmter Gene stark
vom Geschlecht des Fötus be-
einflusst wird“, erklärt Desoye.
Die Genexpression beschreibt,
wie ein Gen ein spezifisches
Genprodukt ausbildet (z. B. ein
Protein). Genprodukte in ihrer
Gesamtheit wiederum steuern
bestimmte Vorgänge im Kör-
per. „Manche dieser Prozesse
sind also essentiell vom Ge-
schlecht des Fötus beeinflusst“,
so die WissenschafterInnen.
Die daraus resultierende ge-
schlechtsspezifische Funktion
der Plazenta begünstigt das
erhöhte Risiko für männliche
Föten. Hauptsächlich wer-
den biologische Prozesse, wie
beispielsweise entzündliche
Erkrankungen, aber auch Im-
munantworten von den ge-
schlechtsspezifischen Genen
gelenkt. Vermehrte entzünd-
liche Prozesse stimulieren die
Immunantwort der Mutter ge-
gen die Plazenta und erklären
das erhöhte Risiko von Schwan-
gerschaftskomplikationen bzw.
spätere Gesundheitsfolgen für
die männlichen Föten. Kon-
sequenzen dieser Ergebnisse
für zukünftige Therapien bzw.
für den Gesundheitsverlauf im
Erwachsenenalter sind derzeit
noch nicht ableitbar und wer-
den Gegenstand weiterer Un-
tersuchungen sein.
Univ.-Prof.
Dr. Gernot
Desoye
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