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Ærzte
Steiermark
|| 03|2014
Fotos: beigestellt
promotion schlafapnoesyndrom
Schlafapnoesyndrom:
Diagnose und Therapie
Autorin: OA Dr. Natascha Tröster, MSc
In den letzten Jahren wurde das Schlafapnoesyndrom (SAS) zunehmend
als weit verbreitete Erkrankung erkannt, die bisher dokumentierten Prä-
valenzzahlen (2-4%) – generiert aus Querschnittsuntersuchungen mittels
Polygraphie – bilden wahrscheinlich nur die Spitze des Eisberges ab.
Die Gefahr des SAS besteht
dabei nicht, wie vielfach
von PatientInnen gefürchtet,
im plötzlichen nächtlichen
Atemstillstand, sondern in
den multiplen Folgeerkran-
kungen, die durch das SAS
teils verursacht, teils zu-
mindest beeinflusst wer-
den. Durch die Atempausen
(Apnoen) bzw. signifikante
Reduktion des Atemflusses
(Hypopnoen) und die damit
verbundene intermittierende
Hypoxie werden Sympathi-
kusaktivierung, oxidativer
Stress und systemische
Inflammation hervorgeru-
fen, die schließlich zu er-
heblicher kardiovaskulärer
und metabolischer Morbi-
dität und Mortalität führen
(Abb.1). Mittlerweile gibt es
überzeugende Daten zum
Zusammenhang zwischen
SAS und arterieller und
pulmonaler Hypertonie, ko-
ronarer Herzkrankheit, Ar-
rhythmien, Schlaganfall und
erhöhter kardiovaskulärer
Mortalität. Die gemeinsame
Endstrecke scheinen durch
das SAS hervorgerufene
Atherosklerose und me-
tabolische Dysbalance zu
sein.
Diese Zusammenhänge
sind in erste Linie für das
obstruktive Schlafapnoe-
syndrom (OSAS) weitge-
hend gesichert, inwieweit
diese auch für das zentrale
SAS (CSAS) gelten, ist teil-
weise noch nicht geklärt.
Diese beiden Hauptformen
des SAS unterscheiden
sich auch in ihrer Entste-
hung und hinsichtlich ihrer
Symptomatik. Während das
OSAS in erster Linie bei
adipösen PatientInnen zu
finden ist, bei denen – ver-
einfacht gesprochen – Fett-
gewebe eine Einengung der
oberen Atemwege bedingt
und damit den nächtlichen
Atemwegskollaps begün-
stigt (Abb.2), ist das CSAS
meist Folge kardiologischer,
neurologischer oder ne-
ph ro l og i sche r Er k r an-
kungen, die zu einer Verän-
derung der Atmungssteue-
rung führen. Eine klassische
Unterart des CSAS ist die
Cheyne-Stokes-Atmung
(CSR, Abb.3), eine patho-
logische Atmungsform mit
typischem spindelförmigem
Muster, welche oft bei Pa-
tientInnen mit Herzinsuffizi-
enz gefunden wird und hier
auch prognosebestimmend
ist. Seitens der Symptome
sind beim OSAS Tages-
müdigkeit und kognitive
Beeinträchtigung führend,
während PatientInnen mit
CSAS diesbezüglich oft
asymptomatisch sind, nur
eventuell von nächtlichem
Hochschrecken berichten
oder durch eine Verschlech-
terung ihrer Grundkrankheit
auffallen.
Diagnose
Wegweisend sind zunächst
Symptome der PatientInnen,
wie Tagesmüdigkeit, mor-
gendlicher Kopfschmerz,
Konzentrationsschwäche,
Leistungseinbußen, De-
pressionen, Libidoverlust
oder Hochschrecken aus
dem Schlaf, oft mit dem Ge-
fühl von Atemnot oder Herz-
rasen. Wichtig ist auch die
Erhebung der Fremdana-
mnese (z. B. Lebenspart-
nerInnen), da oft nächtliche
Atemaussetzer, welche die
PatientInnen selbst nicht
Abb. 1:
Überle-
benskurve
bei SAS;
Marti et al;
ERJ 2002;
20:1511-18
Abb. 2: Respir. Ansicht, Polysomnographie, Befund eines OSAS.