AERZTE Steiermark 06/2026

 

Wie wird man eigentlich Ninja-Doc?

Die Frage lässt sich nur schwer beantworten, denn der Weg, den Kinderchirurg Uwe Weitzer gegangen ist, folgte keiner klassischen Karriereplanung, sondern vor allem Bauchgefühl und Begeisterung. Das spürt man – im Arztberuf ebenso wie bei seinen Ninja-Wettbewerben und Social-Media-Videos.

Ursprünglich wollte Uwe Weitzer Sport und Französisch auf Lehramt studieren. Doch die Sport-Aufnahmeprüfung – genauer gesagt die Anforderungen in Sachen Schwimmen – erschienen ihm damals zu hoch. Medizin hatte (noch) keine Aufnahmeprüfung, und aus Interesse an Anatomie inskribierte er – als Übergangslösung. „Das Studium war einfach sehr spannend und nach 10 Semestern habe ich realisiert, dass das tatsächlich beruflich mein Weg wird“, schmunzelt Weitzer. Beim Turnus dann die Liebe auf den ersten Blick: „Die Rotation hat mich auf die Kinderchirurgie gebracht und das hat perfekt gepasst. Ich bin gerne an der Frontlinie.“

In der Werbepause beworben

Dass er sich begeistert in Herausforderungen stürzt, sieht man auch an seiner sportlichen Karriere. Aktiv im Basketball, Volleyball und CrossFit stolperte der Grazer erst über ein Facebook-Video von „American Ninja Warrior“ und dann über die erste Staffel von „Ninja Warrior Germany“ im Fernsehen – und bewarb sich gleich in der ersten Werbepause für die Staffel 2. Da der erste Auftritt nur wenige Sekunden dauerte, war der Ehrgeiz geweckt und das Training wurde professioneller und intensiver. Heute ist der Ninja-Sport bekannter, Trainingsmöglichkeiten sind vorhanden, doch damals musste Uwe Weitzer sich viele Elemente, Hindernisse und Parcours im eigenen Garten selbst bauen.

Ninja-Warrior-Allstar

Seit damals hat der Arzt bereits viele Wettbewerbe absolviert, ist als einer der „Allstars“ längst Fixstarter in den „Ninja Warrior“-TV-Shows. Das und vor allem die Social-Media-Auftritte von „Ninja-Doc Uwe“ für das LHK-Univ. Klinikum Graz haben ihm einiges an Bekanntheit gebracht. Den Kindern, die von ihm auf der Kinderchirurgie behandelt werden, ist das meist egal, doch manche Eltern finden es schon aufregend, den Ninja-Doc live zu erleben. „Das Klinikum wollte mich für seinen TikTok- und Instagram-Account, genauer gesagt für lustige Kurz-Videos mit Info-Gehalt, und ich habe mir gedacht, das schaue ich mir einfach mal an“, erzählt Weitzer. Online war das ein gewaltiger Schub für die Bekanntheit, doch Authentizität und Glaubwürdigkeit stehen an erster Stelle: „Ich sag auch klar, was ich nicht will. Es gibt einfach

Themen, für die bin ich der Falsche, und das sollen dann lieber andere machen, deren Schwerpunkt in dem Bereich liegt.“ Umso mehr freut es ihn, wenn bei Themen, die er selbst einbringt, das Feedback besonders positiv ausfällt. Beispielsweise beim Video zum Helmtragen am E-Scooter: „Da steh ich voll dahinter, da spreche ich aus dem Herzen.“

Kein Wunder, schließlich sind E-Scooter-Unfälle auf der Kinderchirurgie leider „daily business“. Und in diesem Arbeitsalltag profitiert Uwe Weitzer von seiner sportlichen Routine übrigens enorm, sagt er: „Bei einer 6-Stunden-OP hilft die körperliche Fitness auf jeden Fall, man kann sich besser konzentrieren. Aber Sport und Bewegung sind sowieso wesentliche Faktoren fürs Leben, da muss man bei den Kindern ansetzen. Das ist ein unvorstellbares Gut, das man ihnen mitgeben kann. Körperliche Bewegung ist präventiv für ungefähr alles im Leben – Sarkopenie, Sturzprophylaxe, gestörte Glukosetoleranz, …“. Mitgegeben wird das selbstverständlich auch den eigenen Zwillingen – vor allem der Sohn wird wohl in Papas Fußstapfen treten und eine Ninja-Karriere verfolgen, während die Tochter sich dem Tanzsport widmet.

Sportverbot als Höchststrafe

Weil Sport auch in seinem Leben eine Hauptrolle spielt, kann sich der Kinderchirurg auch bestens in die Kinder und Jugendlichen hineinversetzen, die mit Sport-Unfällen bei ihm in der Klinik landen: „Sportverbot ist für viele natürlich eine Höchststrafe, die kann man nicht komplett stoppen. Da kann ich mich gut hineinfühlen und weil ich schon ungefähr jeden Sport auch selbst gemacht habe, kann ich gut mit ihnen besprechen, was trotzdem möglich ist und was für eine gewisse Zeit definitiv gestrichen ist. Das kauft man mir auch ganz gut ab, wenn man weiß, was ich alles mache.“

Training und Ziele

Rund 8 Stunden Training stehen bei Uwe Weitzer jede Woche auf dem Programm, „am familienschonendsten sind natürlich die Einheiten um 5 Uhr Früh …“. Daneben ist der Grazer seit 6 Jahren auch Wettkampfveranstalter für Ninja-Qualifikationsbewerbe.

Und die Karriere-Ziele? „Medizinisch bin ich als Oberarzt auf der Kinderchirurgie genau dort, wo ich sein will, bei dem, was ich wirklich gerne mache. Sportlich sind die österreichischen Ninja-Meisterschaften im Herbst ein Ziel. Österreichischer Meister im Ninja-Sport wäre ich schon gerne einmal. Im letzten Jahr war es schließlich ‚nur‘ Platz 2.“ Einen Marathon will der Ninja-Doc auch noch irgendwann laufen – und wenn man ihn so erzählen hört, ist man sich sicher, dass da noch die eine oder andere Herausforderung dazukommen wird, die sein Interesse und seine Begeisterung wecken wird …

 

Foto: RTL Hertrich, privat