08.06.2026
Bayer: „Wer Hilfe braucht, darf nicht an starren ÖGK-Regeln scheitern“
Mit neuen Vorgaben für Krankentransporte verschärft die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) den Zugang zu Kostenübernahmen. Prof. Dr. Dietmar Bayer, Kurienobmann der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark, kritisiert vor allem die enge Auslegung der Gehunfähigkeit, die fehlende Berücksichtigung regionaler Realitäten und zusätzliche Bürokratie für Ordinationen.
Die ÖGK verschärft die Vorgaben für Krankentransporte. Für Prof. Dr. Dietmar Bayer, Kurienobmann der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark, ist das ein falsches Signal. Die neuen Regeln treffen Menschen, die krank, gebrechlich oder auf Unterstützung angewiesen sind und verlagern die Verantwortung für unsoziale Einsparungen auf die behandelnden Ärztinnen und Ärzte.
Medizinisch entscheiden, nicht bürokratisch
„Die ÖGK spart hier auf Kosten jener Menschen, die Hilfe am dringendsten brauchen. Krankentransporte dürfen nicht nach starren Verwaltungskriterien beurteilt werden, sondern müssen sich an der medizinischen Notwendigkeit und an der Lebensrealität der Betroffenen orientieren“, warnt Bayer.
Kritisiert wird insbesondere die restriktive Auslegung der Gehunfähigkeit. Fehlende öffentliche Verkehrsmittel, infrastrukturelle Hürden oder das Fehlen einer Begleitperson sollen nicht mehr als ausreichende Gründe für einen Krankentransport auf Kassenkosten gelten. Für Bayer ist das realitätsfern: „Wer krank, gebrechlich oder auf Unterstützung angewiesen ist, kann nicht auf theoretische Mobilitätsmöglichkeiten verwiesen werden. Gerade im ländlichen Raum geht das an der Realität vorbei.“
Mehr Bürokratie für Ordinationen
Zusätzliche Belastung sieht Bayer für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Sie müssten künftig medizinisch noch detaillierter die Notwendigkeit eines Krankentransports begründen, da bei unzureichender Begründung die Nichtübernahme der Kosten droht.
„Damit wird Verantwortung von der Kasse auf die Ordinationen abgeschoben. Ärztinnen und Ärzte sollen medizinisch behandeln, nicht Sparvorgaben verwalten. Jede zusätzliche Bürokratie nimmt Zeit weg, die in der Patientenversorgung fehlt“, betont Bayer.
Auch die geplante Rezeptgebühr für planbare Krankentransporte trifft Menschen, die gesundheitlich und oft auch finanziell belastet sind. Ausnahmen für schwerkranke oder immungeschwächte Patientinnen und Patienten verhindern nicht, dass viele Betroffene künftig schlechter gestellt werden.
Versorgungssicherheit statt Sparkurs
Die steirische Ärzteschaft fordert eine Rücknahme der verschärften Vorgaben und eine praxistaugliche Lösung, die medizinische Erfordernisse, regionale Gegebenheiten und soziale Verantwortung berücksichtigt.
„Wir brauchen klare Regeln, aber keine pauschalen Einschränkungen zulasten der Schwächsten. Die ÖGK muss Versorgung ermöglichen, nicht erschweren“, so Bayer abschließend.