AERZTE Steiermark 02/2026
Hausarzt-Plus-Modell als „Quick Win“ für die Versorgung
Mit dem Hausarzt-Plus-Konzept könnte man die erweiterte Primärversorgung auch in der Einzel- und Gruppenpraxis umsetzen, um die Peripherie abzudecken. Ziele sind eine Investitionsunterstützung und ein Honorarmodell sowie die Erweiterung um die Gesundheitsberufe, so die Kurie.
„Das Hausarzt-Plus-Modell wäre ein absoluter ,Quick Win‘ für die Versorgung und die steirische Bevölkerung“, spricht sich Alexander Moussa dafür aus, auf den Bestand, nämlich die steirischen Einzelordinationen, aufzubauen und sie mit der Umsetzung der passenden Strukturen zu stärken.
Der Hintergrund: Nur 20 bis 25 Prozent der Fläche der Steiermark können durch die PVE-Strukturen bespielt werden, doch die Peripherie dürfe nicht benachteiligt werden und dafür brauche es zusätzliche Einzel- und Gruppenpraxen.
Das Konzept gibt es schon lange
Das Konzept dafür, nämlich das Hausarzt-Plus-Modell, das Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl kürzlich in den Medien ansprach, ist nicht neu. „Wir haben diesen Vorschlag bereits Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß vorgestellt. Damals gab es den PVE-Vertrag noch nicht, das heißt, jetzt muss man es natürlich an die PVE-Logik anpassen und daran orientieren“, betont Alexander Moussa, Sektionsobmann Allgemeinmedizin der Ärztekammer für Steiermark.
„Wir müssen ins Tun kommen und die passenden Strukturen schaffen. Von Seiten der Ärztekammer gibt es die Bereitschaft und das Konzept schon lange. Jetzt muss sich die Politik etwas trauen, damit wir eine PVE-ähnliche Stütze für die Versorgung in der Fläche aufbauen können“, unterstreicht Prof. Dietmar Bayer, Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte, und regt einen Pilotversuch Hausarzt-Plus an.
Die Kriterien, die die Praxen für die Teilnahme am Hausarzt-Plus-Modell erfüllen müssen, sollten sich dabei unter anderem an bestehenden Vorgaben wie dem ÖGAM-Praxissiegel orientieren.
PVE-Vorteile auf Einzelpraxen übertragen
Kurienobmann-Stellvertreterin Gudrun Zweiker: „Das Ziel ist es, Arztpraxen organisatorisch und personell zu stärken. Gleichzeitig könnte das Hausarzt-Plus-Modell für die Patient:innen erweiterte Öffnungszeiten oder ein breiteres therapeutisches und diagnostisches Angebot ermöglichen.“
Dafür müssen die Vorteile, die PVEs haben, auf klassische Einzelordinationen übertragen werden – zum Beispiel Unterstützung bei den Kosten für diplomiertes Pflegepersonal oder andere Gesundheitsberufe. In einer PVE werden diese Leistungen in der Regel von der Österreichischen Gesundheitskasse und dem Gesundheitsfonds Steiermark mitfinanziert.
Ein weiterer ebenso wichtiger Punkt: Neben einer finanziellen Unterstützung müsse es im Rahmen des Hausarzt-Plus-Modells auch Erleichterungen bei der Anstellung anderer Ärzt:innen geben, um diese organisatorisch und personell zu stärken. Wenn aufwändige Gründungsverfahren und Bewerberverfahren wegfallen, Verträge zwischen Ärzt:innen erleichtert werden, dann stehe einer raschen Umsetzung nichts im Wege, betont Moussa, dass die Bevölkerung von der Einführung des Modells wirklich rasch profitieren könnte: „Wir wollen mit dem Land und der ÖGK eine gute und breite Versorgung sicherstellen.“
Vorsorge stärken
Diese Stärkung der Einzel- und Gruppenpraxen passt auch zu einem Vorstoß der Wiener Ärztekammer, den die steirische Kurie unterstützt, nämlich die Vorsorge zu stärken: Gefordert wird zum Beispiel ein Vorsorgeprogramm für Kinder und Jugendliche zwischen dem 6. und dem 18. Lebensjahr. Denn nachdem die Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen enden, gibt es derzeit eine große Lücke im Vorsorgeplan. Ein Screening-Programm für Kinder und Jugendliche könnte sich am „Gesundheits-Check Junior“ der SVS orientieren, die dies als einzige Kasse vorsieht.
Verbesserungspotenzial bei der Vorsorge gibt es außerdem zum Beispiel bei der gendergerechten Medizin, die derzeit vernachlässigt wird: Man fordert ein organisiertes Prostatakrebs-Screening, zu dem Männer ab 50 Jahren persönlich eingeladen werden. Bei Frauen sollten die Bestimmung des Eisenstatus und des Schilddrüsenwerts TSH in den Vorsorgekatalog aufgenommen werden.
Foto: Schiffer, envato_gpointstudio